Flüchtlingsunterkunft am Elfsaal wird erweitert

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Mohamad Dergham, Mohammad Yasar, Jamil Chikn Hasan und Rasoul Ghandi verbringen den Sonnabend mit ihren Kindern und Familien Foto: fbt
 
Wolf von der Osten würde sich noch mehr Ehrenamtliche wünschen Foto: fbt

„Welcome to Wandsbek“ sucht Mitstreiter. Bewohner suchen Kontakt mit Nachbarn, um die deutsche Sprache zu lernen

Von Frank Berno Timm
Jenfeld
Bald werden am Elfsaal noch mehr neue Nachbarn wohnen – die Flüchtlingsunterkunft wird gerade mit „Expresswohnungen“ erweitert. „Welcome to Wandsbek“ und Betreiber „fördern & wohnen“ würden sich über noch mehr Engagement Ehrenamtlicher freuen. Sie haben alle die gleiche Hausnummer – nur jeweils einen kleinen Buchstaben für das jeweilige Gebäude dahinter. Am Elfsaal, hinter dem Seniorenheim und um die historische Kaserne herum, ist eine Flüchtlingssiedlung entstanden, gut 300 Menschen leben hier: Sonnabends ist hier mächtig Betrieb, Kinder sind auf dem Spielplatz, ein alter Herr aus der Gegend schwatzt mit den Nachbarn. Mohamad Dergham, Mohammad Yasar, Jamil Chikn Hasan und Rasoul Ghandi sitzen gemütlich auf der Bank an dem kleinen Spielplatz in der Dorfmitte, plaudern und passen auf ihre Kinder auf. Nach wenigen Brocken auf Deutsch bitten sie darum, auf Englisch weiter zu reden. Die vier Syrer sind seit einem guten Jahr in Deutschland, sie lernen die Sprache, klagen aber: In der Schule gehe es nur um Grammatik, ihnen fehle das Gespräch. „Wir suchen Kontakte, um zu reden“, sagen sie. Dass sie, um in Deutschland weiter voranzukommen, unbedingt die Sprache lernen müssen, wissen sie ganz genau und lassen keinerlei Zweifel daran, dass sie das auch wollen. Und der Krieg zuhause, die zerplatzte Waffenruhe? Niemand wisse, wer da was gemacht habe, sagt einer der Männer nur und man mag sich nicht wirklich ausmalen, was die Kinder, die hier über den Spielplatz huschen hinter sich haben. In der Woche wird nebenan, deutlich hörbar, gebaut – knapp über 200 weitere Wohnungen entstehen. Wolf von der Osten von der Hilfsorganisation „Welcome to Wandsbek“ berichtet, in den bisherigen Häusern wohnten vor allem Menschen, die zuvor schon in anderen Unterkünften lebten und fast alle eine Bleibeper-spektive haben. Von 350 Plätzen seien aktuell 320 belegt, die restlichen würden für Büros genutzt, solange das zentrale Gebäude noch hergerichtet wird. Zwei Drittel der Bewohner seien syrische Familien, knapp ein Drittel junge Männer aus Eritrea. Im gerade entstehenden Bauabschnitt sollen noch einmal rund 800 Flüchtlinge dazukommen, die sich dann von hier aus andere Wohnungen auf dem freien Markt suchen können. Der ehemalige Berufssoldat von der Osten (67) kümmert sich hier um eine Gruppe mit Kindern und versorgt die Finanzen der Initiative, die insgesamt sechs Flüchtlingseinrichtungen im Bezirk Wandsbek mit ehrenamtlichem Engagement betreut. Zwei sollen schließen, dafür zwei neue dazukommen. Das Problem: „Wir finden nicht genug weitere Ehrenamtliche“, sagt von der Osten. Die problematische Verkehrsanbindung – der Elfsaal ist nur mit je zehn Minuten Fußweg zu drei verschiedenen Buslinien erreichbar – ist ein Grund, das Aufkommen aus der Nachbarschaft reicht nicht aus, „ist aber da“. Auch die Berufstätigkeit der Ehrenamtlichen setze Grenzen. Ausdrücklich lobt von der Osten das Engagement des Betreibers „fördern & wohnen“ und des Bezirksamts Wandsbek. Wie hoch der Bedarf ist, lässt sich schon daran ablesen, dass zum freitags stattfindenden Spielenachmittag 80 bis 90 Kinder kommen; auch eine gerade gestartete Fahrradwerkstatt wird gut angenommen. Unterkunftsleiter Klaus Lohmann (49) äußert sich ähnlich. Seine 320 Bewohner kämen jetzt an, sie machten Sprach- und Integrationskurse, Kinder gingen zur Schule und in den Kindergarten. Eltern erkundigten sich als erstes nach Ausbildungsmöglichkeiten: „Es hat noch keiner gefragt: Wo ist die nächste Moschee?“, fügt Lohmann hinzu. Die Bewohner seien „hungrig, Deutsche kennenzulernen“. Das kann dann vielleicht im zentralen Gebäude, das unter Denkmalschutz steht, stattfinden: Hier soll es einmal Begegnungsmöglichkeiten geben, im November wird das Haus fertig. Lohmann betreut seine Leute mit vier Kollegen, zehn weitere sollen dazukommen.

Wer mithelfen will, melde sich unter folgender Email: koordinationskreis@welcome-to-wandsbek.de. Weitere Infos: Flüchtlingshilfe in Hamburg Wandsbek
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