Für die Rechte von Fußgängern

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Einwohner diskutieren den Sinn dieser Gabelung für Radfahrer Foto: sim
Hamburg: Tonndorfer Hauptstraße |

Fachverband „Fuss e.V.“ kritisiert kombinierte Rad- und Gehwege und fordert mehr Rücksicht

Von Siegmund Menzel
Tonndorf
Sonja Tesch aus Hamburg kommt eigenen Angaben zufolge „aus einer Fußgängerfamilie“. Vater und Mutter hatten keinen Führerschein. So wurde auch sie zu einer „überzeugten Fußgängerin“. Eine Stadt mit spürbar weniger Autos wäre umwelt- und klimafreundlicher, trage zum Wohlbefinden bei, sagt die Rentnerin, die in Frankfurt am Main aufgewachsen ist und seit Jahrzehnten in Hamburg lebt. Sie setzt auf öffentliche Verkehrsmittel und wünscht sich einen besseren baulichen Zustand der Gehwege. Mit ihrer Einstellung wurde sie vor Jahren Mitglied im Fuss e.V. Hamburg, einer Regionalgruppe des bundesweit aktiven Fachverbandes Fußverkehr. „Wir wollen erreichen, dass das Zufußgehen in Hamburg angenehmer, gesünder und sicherer wird.“

Breitere Radwege auf Kosten der Fußgänger

Die Mitglieder freuen sich, dass Hamburg Fahrradstadt werden soll, sind aber nicht damit einverstanden, wenn die Förderung des Radverkehrs zu Lasten der Fußgänger erfolgt. Der zunehmende Radverkehr gehöre auf die Fahrbahn. Mit „Empörung“ stellt der Verein immer wieder fest, dass Radwege auf dem Gehweg erneuert und verbreitert werden, immer auf Kosten der Fußgänger. Sonja Tesch nennt als Beispiel die Umbauarbeiten an der Kreuzung Tonndorfer Hauptstraße/Jenfelder Allee. Da vor dem Einkaufszentrum anstelle der Längs-Parkstreifen sechs Parkplätze in Schrägaufstellung entstanden, sei es für Fußgänger und Radfahrer enger geworden.

Wenig Rücksicht auf Senioren

Gehwege sollten für den Fußverkehr, zum Gehen und Verweilen, zum Spielen und zum Klönen genutzt werden können, betonte Sonja Tesch. Auch Rollstuhlfahrer und Menschen mit Rollator müssten überall komfortabel hingelangen. Der Verein erhalte zu keinem anderen Thema so viele Mails und Anrufe, vor allem Senioren würden sich auf Gehwegen und in Fußgängerzonen häufig von Radfahrern bedrängt fühlen. Man müsse immer damit rechen, dass ein Fahrradfahrer von hinten an Personen „vorbeibrettert“. Nicht verstehen kann die Frau die Gabelung des Radfahrweges vor dem Einkaufszentrum in der Tonndorfer Hauptstraße. Die Radfahrer können unter zwei Möglichkeiten wählen: Entweder sie fahren auf dem Radweg direkt vor dem Einkaufscenter oder radeln auf die Fahrbahn, dort gebe es aber leider keinen „echten Radstreifen“.

Gehwege sind keine „Nebenflächen

Fuss e.V. Hamburg setzt sich dafür ein, Radwege von den Fußwegen zu nehmen und zurückzubauen, zudem in der Kampagne für den Radverkehr die Rücksichtnahme auf Zufußgehende aufzunehmen. Gehwege seien keine „Nebenflächen“, wie sie im „Behördendeutsch“ genannt werden. Der Verein hat sich mit einer Eingabe zur „Förderung des Radverkehrs zu Lasten des Fußverkehrs“ an das Bezirksamt und die Bezirksversammlung Wandsbek gewandt. Der Hauptausschuss verwies sie an den Verkehrsausschuss.

Weitere Infos: Fuss e.V. Hamburg
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2 Kommentare
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Tim Norman aus Wandsbek | 10.08.2017 | 15:30  
82
Eleonore Heilmann aus Bramfeld | 11.08.2017 | 17:42  
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