Fußball-Hysterie? Nein Danke.

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Foto: thinkstock
Schwarz. Rot. Gold. Dieser Farbkonstellation kann man seit Beginn der diesjährigen Europa Meisterschaft unmöglich aus dem Weg gehen. Sie verziert Kinderwangen, hängt in Form von kleinen Fähnchen an gefühlt jedem Auto und ist Hauptdarsteller auf jedem Foto, das bei Facebook hochgeladen wird. Die Deutschen sind stolz auf ihr Land. Das ist nicht zu übersehen.
Aber was genau ruft diesen Glauben an die nationale Einheit hervor- und wieso tritt er zufällig immer nur dann auf, wenn ein ach so großes Fußball-Event stattfindet?
Das Gefühl der Zusammengehörigkeit unserer Gesellschaft dürfte einer der Hauptgründe sein. Interessant, dass dieses Gefühl aufkommt, wenn 20 Männer einem Ball hinterher laufen. Sollte dieses Empfinden nicht täglich gegenwärtig sein?
Wahrscheinlich wäre das zu langweilig. Denn dann gäbe es keinen Grund, diese Emotion mit jeder Menge Alkohol zu begießen. Gerade Jugendliche verbinden derartige Fußball Ereignisse mit einem Party- Kult. Erst wird vorgetrunken und dann geht‘s auf zum Public Viewing. Na dann Prost. Das allerunglaublichtollste und beste ist dann selbstverständlich, wenn einer „unserer Jungs“ den Ball ins gegnerische Tor befördert. Es wird gejubelt, geschrien, geböllert. Menschen fallen sich in die Arme, als wäre gerade ein Weltkrieg beendet worden. Es ist wahrlich ein Phänomen. Für Leute, die sich ansonsten nie für Fußball interessieren, gibt es plötzlich nichts anderes mehr. Fußball ist momentan alltagbestimmend. Es ist eine Voraussetzung, dass in jedem Restaurant Fußball übertragen wird. An Tagen, wo Fußball läuft, braucht man niemanden zu fragen, ob er Zeit hat. Es sei denn, um gemeinsam Fußball zu gucken. Fußball, Fußball, Fußball.?
Ich habe keine Ahnung von Fußball. Was Abseits ist habe ich auch noch nie verstanden. Wenn Deutschland ein Tor schießt, dann schießt es halt ein Tor. Was hat das mit mir zu tun? Sollte ich stolz sein? Den Ball habe ich mit keinen magischen Schwingungen beeinflusst. Gepustet habe ich auch nicht. Die Leistung der fraglos guten Fußballer haben rein gar nichts mit mir, oder dem Ort, an dem ich lebe, zu tun. Gut- diese Mannschaft vertritt Deutschland. Aber das ist für mich kein Grund, in irgendeiner Form stolz zu sein.
Dass ich mich dieser Fußball- Hysterie nicht anschließe, bedeutet nicht, dass ich gegen Deutschland bin. Ich wohne gerne in Hamburg- auch, wenn nicht alles tadellos abläuft. Das wird es nie. Und zwar nirgendwo. Ein Ball von 21 Zentimeter Durchmesser wird daran kaum etwas ändern.?
Lisa Schleif
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