Gans nah dran!

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Leif Stangenberg und Tochter Judith finden die Gänse nicht so schlimm. Es gibt aber auch andere Meinungen Foto: kg
 
Auf den Wiesen neben den Rad- und Fußgängerwegen grasen die Gänse und suchen nach Futter Foto: citynewstv.de

Vögel bevölkern Wohnpark Trabrennbahn

Von Karen Grell
Farmsen
Der Wohnpark an der Trabrennbahn in der Walter-Heitmann-Straße ist ein gutes Beispiel für zentrales Wohnen mit U-Bahn-Anschluss am Rande der Stadt. Hier gibt es viel Grün, Platz für Kinder, eine Kita und gleich nebenan eine Grundschule. Ein Paradies für viele Familien und doch gibt es einen Diskussionspunkt: die Graugänse, die jedes Frühjahr einfallen. Bereits vor über vier Jahren hatte sich eine Familie mit ihren drei kleinen Kindern über knapp 40 Tiere beschwert. Heute sind es mehr als 80 Vögel mit ihren Jungen, die auf den Wiesen rund um die Wohnanlage unterwegs sind. Die kleinen Seen, ein Fluss und die großen Rasenflächen bieten viel Platz zum Spielen für Kinder, sind aber auch ein ideales Brutgebiet für Grau- und Kanadagänse. Bereits vor der Bebauung bot sich hier ein beliebtes Gebiet für Zugvögel die nun in jedem Frühling ihre Nester in Wassernähe legen und auf den Grünflächen Nahrung finden.

„Ganz niedlich“


„Ich muss aufpassen, damit ich nicht immer in die Vogelkacke trete“, sagt Judith, die besonders die jungen Graugänse eigentlich „ganz niedlich“ findet. Papa Leif Stangenberg sieht in den Gänsen keinen Grund dafür, die Siedlung zu verlassen und wohnt hier unter dem Motto „Leben und leben lassen“. Seiner Tochter hat er genau erklärt, wie sie auf die Gänse zugehen muss, damit sich diese nicht gestört fühlen. „Wer hier einmal wohnt, der zieht nicht wieder weg“, schwärmt Familie Stangenberg.

Problem ist bekannt


Der zuständigen Wohnungsbaugesellschaft Gabor war das Problem schon vor Jahren bekannt. Bereits 2010 sei man aktiv geworden: Büsche wurden gepflanzt und so beschnitten, dass die Einflugschneise für die Graugänse unattraktiv wird und sie sich einen anderen Ort zum Brüten suchen sollten.
Ganz aufgegangen ist dieser Plan allerdings nicht, denn eines der größten Probleme ist geblieben: „Wo Gänse intensiv gefüttert werden, fühlen sie sich natürlich auch richtig wohl“, erklärt Alexander Heidorn vom Naturschutzbund NABU die Lage vor Ort. Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt habe extra zu diesem Thema ein Informationsblatt unter dem Titel „Bitte keine Wasservögel füttern“ herausgegeben. Es mag vielleicht eine alte Tradition sein, mit den Kindern zum „Entenfüttern“ zu gehen, man dürfe sich dann aber auch nicht wundern, wenn sich die Tiere so stark vermehren. „Im Sommer kann die Fütterung sogar gefährlich werden“, so Heidorn, denn durch das Ansammeln des alten Brotes sterben auch das Gewässer ab und andere Tiere, wie Fische und Libellen finden keinen neuen Lebensraum mehr.
Familie Stangenberg weiß das und füttert deshalb keine Graugänse. Ein Problem haben sie mit den Gänsen trotz ihrer hohen Anzahl nicht. „Wenn ich eine Vogelfeder finde, dann stecke ich sie mir gleich ins Haar und spiele Indianer“, erzählt Judith. Damit sich die Gänse aber nicht noch mehr auf den Wiesen in der gemütlichen Wohnsiedlung ausbreiten, hilft weiterhin nur ein Tipp: Bitte auf gar keinen Fall die Gänse füttern!

Gänse:
Graugänse werden bis zu 95 cm lang, Kanadagänse sogar über 1 Meter. Bei einer Flügelspannweite von bis zu 1,75 Metern, sind besonders die Kanadagänse eine eindrucksvolle Erscheinung. Die Paare legen bis zu sechs Eier, die ausschließlich von dem Weibchen gebrütet werden. Nach knapp einem Monat schlüpfen die Jungen. Natürliche Feinde haben die Gänse aufgrund ihrer Größe nur wenige in der Stadt. Verletzungen gibt es häufiger durch freilaufende Hunde oder durch Angelschnüre. Den Winter verbringen die Zugvögel im Mittelmeerraum und in Nordafrika. In milden Wintern bleiben einige allerdings auch im Norden.
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