Ganz oben wird gebaggert

Anzeige
Hoch über Wandsbeks Dächern steht ein Bagger. Er wird den Bunker von oben abreißen Foto: mdt

Warum in Hamburg immer öfter Abrissmaschinen auf Dächern stehen

Von Marco Dittmer
Wandsbek
In Wandsbek lernen Bagger fliegen – anders können sich viele Anwohner nicht erklären, was sie bei einem Blick aus dem Fenster zur Zeit sehen. Denn mitten im Stadtteil stehen tonnenschwere Bagger auf den Dächern. An der Börnestraße und 500 Meter weiter an der Nebendahlstraße ragen die beiden Kolosse aus Stahl hoch über dem Stadtbild. Die Baugeräte gehören zu einem Abrissunternehmen aus Woltersdorf bei Mölln, das sich darauf spezialisiert hat, alte Luftschutzbunker im Rahmen des Möglichen ziemlich leise abzureißen.
Dass das geht, beweisen die beiden Brüder Marco und Björn Sperling und ihr Vater Klaus. Ein Jahr feilten sie im familieneigenen Unternehmen AVG-Nord GmbH an dem Konzept. Im vergangenen Jahr dann der Durchbruch beim Abbruch an der Wielandstraße (das Wochenblatt berichtete). Dort wurde ein Luftschutzbunker zum Luxuswohnhaus umgebaut, unter dem Namen „Big One“ werden die Wohnungen veräußert. Die Methode der Sperlings ist so einfach wie effektiv: Bagger fräsen sich von oben durch die meterdicken Betondecken und Wände der Bunker. Der Schutt wird innen gesammelt und per Lkw abtransportiert. Um den Lärm der Bagger zu reduzieren, installieren die Brüder schwere Lärmschutzmatten an der Außenseite auf dem Dach. Anwohner und Passanten hören so kaum mehr als ein dumpfes Pochen und Dröhnen. Nach dem leisen Abriss an der Wielandstraße stehen Investoren nun offenbar Schlange bei dem Abbruchunternehmern. Neben einem Schutzgebäude in der Innenstadt und den beiden Exemplaren in Wandsbek stehen die Sperlings vor dem Abschluss für zwei weitere Bunkeranlagen. „In dichtbesiedelten Städten gibt es kaum mehr eine Alternative“, sagt Marco Sperling.
Die Arbeiten in Wandsbek werden voraussichtlich vier Monate dauern. Wer sie verpasst, hat bei 76 verbliebenen Hochbunkern in Hamburg noch genug Gelegenheiten, die Bagger fliegen zu sehen ...
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige