Gartenlaube mit Gleisanschluss

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Marienthal an der Hammer Straße. Bahn in der Mitte, Kleingärten an der SeiteFotos: Jenssen
 
Elke und Horst Heinmann fühlen sich seit 23 Jahren wohl in ihrem Garten

Das WochenBlatt besuchte Kleingärtner an der Bahn. Bei Lärm tauchen die Kinder einfach ab...

Von Martin Jenssen
Marienthal. In ihrem Garten wachsen Blaubeeren, Gurken, Petersilie und Sellerie. Auch die eigenen Tomaten, Mirabellen und Äpfel munden besser als die gekauften aus dem Supermarkt. Das Obst und Gemüse, das Elke und Horst Heinemann anbauen, wächst in ihrem Kleingarten am Claudiusstieg. Die Rückseite ihres Gartens liegt direkt an der Güterbahnstrecke Hamburg-Lübeck. In einer Entfernung von knapp hundert Metern befindet sich eine weitere Bahnstrecke. Dort rauschen die Regional- und Fernbahnen nach Bad Oldesloe und Lübeck. Auf den hundert Metern zwischen diesen beiden Bahnstrecken liegen weitere Gärten des Kleingartenvereins „Bahn Landwirtschaft“.
Elke (71) und Horst Heinemann (70) leben seit 23 Jahren in dem kleinen Haus an der Bahnstrecke. Zuvor hatten sie einen Kleingarten, der zwischen den beiden Bahnstrecken liegt. Der wird inzwischen von er Familie ihrer Tochter „bewirtschaftet“. Etwa alle 15 Minuten rattert ein Zug mit ohrenbetäubendem Lärm vorbei.
Lange Güterzüge nerven, wenn Besuch kommt
Kann man hier ohne Ohropax auskommen? „Ganz wunderbar“, findet Horst Heinemann. „Wir leben seit 1974 mit diesem Krach. Das Getöse der Züge nehmen wir nicht mehr wahr!“ Seine Frau Elke schränkt allerdings ein: „Nervig ist es nur, wenn wir Besuch haben und ein langer Güterzug vorbeifährt. Dann müssen wir vorübergehend das Gespräch unterbrechen. An die langen Güterzüge werde ich mich nie ganz gewöhnen!“
Horst Heinemann hat 35 Jahre bei der Bahn gearbeitet, war Lademeister auf dem Containerbahnhof in Billwerder. Das Ehepaar hat das Haus (70 qm Wohnfläche) gekauft, den Garten gepachtet. Vererben dürfen sie das Wohnrecht nicht mehr. Das Gesetz hat inzwischen verboten, dass Gartenlauben dauerhaft bewohnt werden dürfen. In den meisten der Bahn-Kleingärten ist nur am Wochenende Betrieb. Nicht so in einem der Schrebergärten an der Hammer Straße. Susanne Roland, Andreas Sberna und Dieter Sosol haben den Garten seit dem 1. Juli gepachtet. Im Garten, der arg verwildert war, ist jetzt noch viel zu tun. Während sie bei der Arbeit schwitzen, rasen an der Vorderseite ihres Gartens die Personenzüge, an der Rückseite die Güterzüge vorbei.
Für ihre gemeinsame Tochter Lea haben Andreas Sberna und Susanne Roland einen großen Swimmingpool auf den Rasen gestellt. Sobald ein Zug vorbeirauscht, gehen Lea und ihre Freunde auf Tauchstation. „Ach, wartet ab, in ein paar Wochen hört ihr die Züge gar nicht mehr“, beruhigt Horst Heinemann die neuen Nachbarn.
Bei ihrem Einweihungsfest staunten die neuen Pächter nicht schlecht. Im lärmumtosten Bahn-Gebiet bat die Polizei nachts um Ruhe. Nachbarn fühlten sich von der Musik gestört.
Rund 2000 Bahn-Kleingärtner gibt es im Bereich der Hansestadt Hamburg. „Wir verwalten 39 Kleingartenkolonien mit rund 1.300 Gärten auf einer Fläche von zirka 500.000 Quadratmetern“, sagt Joachim Lühmann, Geschäftsführer der Bahn-Landwirtschaft. Die Nutzung der Gärten richtet sich nach dem Bundeskleingartengesetz. Hierdurch, sowie durch die Satzung des Vereins, werden eine äußerst geringe Pacht und geringe Mitgliedsbeiträge gewährleistet. Die jährliche Belastung für einen Kleingarten bei der Bahn liegt je nach Größe, Ausstattung und Lage zwischen 70 und 200 Euro. Dazu kommen noch einige Nebenkosten.
Bei Vergabe haben
Bahnmitarbeiter Vorrang
Aber auch Interessenten, die nicht bei der Bahn arbeiten, haben die Chance, einen Garten zu bekommen. „Das Interesse daran ist wieder gestiegen“, sagt Horst Heinemann. Das war einmal anders, als noch Diesel-Lokomotiven über die Strecke fuhren, die starken Schmutz ausstießen. Obst und Gemüse, das damals im Umfeld der Bahn angebaut wurde, war nicht genießbar. Vom Bau des Tunnels unter der Bahnstrecke an der Hammer Straße werden die Kleingärten der Bahn kaum beeinträchtigt, höchstens durch eine weitere Lärm-Quelle. Aber, man ist ja abgehärtet.
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