Gartenstadt Farmsen: Kampf um Rolläden

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Rainer und Roswitha Bethke auf ihrer Terrasse: Markise und Rolläden sollen entfernt werden Foto: tel

Mieter pochen auf Einbruchsicherung – Genossenschaft auf Denkmalschutz

Von Michael Hertel
Farmsen
Malerarbeiten an Fassaden der Genossenschaftssiedlung „Gartenstadt Farmsen“ (rund 3.300 Mitglieder) sorgen für Unruhe. Roswitha Bethke (59) ist auf Zinne: „Wir sollen unsere Rollläden abmontieren und anschließend nicht mehr anbringen dürfen“, erklärt die Farmsenerin, die zusammen mit Ehemann Rainer (52) seit 1974 auf rund 65 Quadratmetern in der ehemaligen „Neue Heimat“-Siedlung an der Swebenhöhe wohnt. Die Vorgaben hat ihr der Genossenschaftsvorstand sogar schriftlich gegeben. Darin heißt es unter anderem: „Das Ensemble unserer Gartenstadt wurde im Jahr 2003 unter Denkmalschutz gestellt... Für mietereigene Anbauten wie Vordächer, Markisen und Rollläden gelten die Bestimmungen des Denkmalschutzamtes.“ Danach dürften nur noch Markisen in der neuen Wandfarbe (hier: Blau) angebracht werden. Alle anderen Anbauten „sind nicht mehr zulässig“. Ehepaar Bethke trifft das gleich doppelt. Sie haben im Erdgeschoss sechs Fenster auf eigene Kosten mit Rollläden gesichert, zur Terrasse hin mit einer besonders großen Jalousie für das Panoramafenster. Hinzu kommt eine breite Markise als Sonnenschutz. Geht es nach dem Gartenstadt-Vorstand, kann Ehepaar Bethke jetzt diese Investitionen ins Heim im wahrsten Sinne des Wortes abschreiben. Roswitha Bethke: „Wir denken gar nicht daran. Hier gab es zuletzt viele Einbrüche, und die Rollläden sind der beste Schutz davor.“ Was ihnen bei Weigerung blüht, kann man ein paar Häuser weiter bewundern. Dort ist die Häuserzeile gerade fertiggestellt. Zwischen frischem Blau sticht eine graue Teilfassade ins Auge. „Das ist wohl die Strafe für böse Mieter. Jeder kann sehen, dass sich dieser Bewohner verweigert hat“, meint Roswitha Bethke.

Genossenschaft will nachrüsten


„Wir wollen mit den Mietern im Konsens vorankommen“, betont Vorstandsmitglied Eckhard Sayk gegenüber dem Wochenblatt. Die Genossenschaft bietet den Bewohnern eine stärkere, „hochwertige“ Verglasung sowie Sicherheitsriegel für die betreffenden Fenster als Einbruchschutz „ohne Zuzahlung“ an. Sayk spricht von „etwa einer Handvoll“ strittiger Fälle bei derzeit 112 betroffenen Wohnungen. „Wir hoffen immer noch, diese Mieter zu überzeugen.“ Allerdings: Bereits im Jahr 2009 waren entsprechende Anstricharbeiten geplant und dann doch nicht durchgeführt worden, weil sich Bewohner geweigert hatten, private Rollläden und Markisen abzubauen.
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1 Kommentar
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rolf enoch aus Wandsbek | 22.09.2016 | 09:04  
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