Gedenken am Höltigbaum

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Hamburg braucht ein Deserteursdenkmal

Rahlstedt. Der Höltigbaum ist nicht nur ein Naturschutzgebiet, sondern auch ein historischer Ort. Ein dunkles Kapitel seiner Historie sind die Erschießungen von Deserteuren gegen Ende des Zweiten Weltkriegs. Die letzten Erschießungen fanden am 28. April 1945, fünf Tage vor dem Eintreffen der britischen Truppen, statt. Daran wurde bei der Gedenkveranstaltung „Morgenappell“ des „Hamburger Bündnisses für ein Deserteursdenkmal“ von dem Historiker Dr. Magnus Koch und den beiden Zeitzeugen, dem Rahlstedter Uwe Storjohann (87) und dem gebürtigen Hamburger Ludwig Baumann im Haus der Wilden Weiden erinnert. Beide Zeitzeugen gehören dem „Hamburger Bündnisses für ein Deserteursdenkmal“ an. Dieses aus rund zwanzig Organisationen bestehende Bündnis fordert ein „Deserteursdenkmal“ in Hamburg. Darüber sprach WochenBlatt-Mitarbeiter Hubert Bätz mit Dr. Magnus Koch.

WB: Warum ist ein solcher Gedenkort nötig?
Dr. Magnus Koch: „Zum Einen als Signal, dass die Deserteure, die solange vergessen wurden, eine Anerkennung bekommen. Nach meinen Erkenntnissen gab es allein am Höltigbaum 147 Hinrichtungen, 40 weitere Deserteure wurden im Innenhof des Untersuchungsgefängnisses Holstenglacis geköpft.

WB: Wo sollte ein „Deserteursdenkmal“ entstehen?
Koch: Gegen den Höltigbaum als Ort einer zentralen Gedenkstätte für Deserteure sprechen die Randlage, die geringe Bekanntheit, und die schlechte Erreichbarkeit. Aber bei einem künftigen zentral gelegenen „Deserteursdenkmal“ muss es Verweise auf den Höltigbaum und die Erschießungen sowie auf die anderen Orte der Verbrechen der NS- Wehrmachtjustiz geben. Im Übrigen hindert ja niemand den Bezirk Wandsbek die schon bestehende Gedenktafel und die kleine Gedenkstätte im jetzigen Gewerbegebiet „Neuer Höltigbaum“ so zu gestalten, dass sie mehr zur Geltung kommt!“

WB: Wie ist der Sachstand?
Koch: „ Es gab im Juni 2012 den von allen Parteien getragenen Beschluss, dass Hamburg 7 ein Denkmal für Deserteure und Opfer der nationalsozialistischen Militärjustiz erhält. Jetzt wird ein Kunst-Wettbewerb für das Denkmal erarbeitet und ausgeschrieben. Wenn alles klappt, soll dieses Denkmal im Herbst 2014 eingeweiht werden.

Übrigens auch in Wandsbek wird versucht, die Gedenkstätte im Höltigbaum besser zur Geltung zu bringen. Hans-Joachim Klier (SPD), 1. Vorsitzende der Bezirksversammlung Wandsbek sagte: „Es würde mich sehr freuen, wenn es gemeinsam mit den am Neuen Höltigbaum ansässigen Unternehmen und Betriebe gelänge, den jetzigen Erinnerungsplatz im Eingangsbereich des Gewerbegebietes etwas angemessener und würdevoller zu gestalten als es bisher - bei knappen Kassen der Stadt - möglich war.“ (hbz)
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