Gedenken an Nazi-Opfer

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Der Rahlstedter SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Ole Thorben Buschhüter putzt den Stolperstein Foto: rg

Frühjahrsputz in Rahlstedt. Stolperstein im neuen Glanz

Von Rainer Glitz
Rahlstedt
Ausgerüstet mit Scheuermilch, Lappen und Putzschwamm sowie einem blauen Wassereimer beugt sich Ole Thorben Buschhüter über die im Boden eingelassene kleine Messingplatte. Der Stolperstein vor einer Kita in der Straße Am Pulverhof hat reichlich Patina angesetzt. Nach zehn Minuten Körpereinsatz des SPD-Bürgerschaftsabgeordneten glänzt der Stolperstein wieder. Er erinnert an den Sozialdemokraten Rudolf Lüdemann, für den Buschhüter die Patenschaft übernommen hat. Die Hamburger Initiatoren des Stolperstein-Projekts hatten die Bevölkerung aufgerufen, in der Zeit vom 15. April bis 8. Mai in der Nachbarschaft verlegte Steine im Rahmen einer „Frühjahrsputz-Aktion“ zu reinigen. Bereits seit 2007 wird die Aktion durchgeführt.

Patenschaft


Er habe nach einem Verfolgten des Nazi-Regimes mit Bezug zum Wahlkreis gesucht, als er die Patenschaft vor fünf Jahren übernahm, erklärt Buschhüter. „Rudolf Lüdemann war ein Sozialdemokrat durch und durch, der sich aufopferungsvoll und mit viel Herzblut für die Schwächeren in der Gesellschaft eingesetzt hat und das unter schwierigsten Bedingungen“, so der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete. Bis 1933 habe Lüdemann im damals zum Kreis Stormarn gehörenden Rahlstedt eine große Rolle gespielt.  „Sein großes Engagement und seine Lebensleistung, aber am Ende auch seine Verfolgung durch die Nazis sollen nicht in Vergessenheit geraten“, so Buschhüter.
Der Sozialdemokrat Rudolf Lüdemann wurde 1885 geboren. Er war zur Zeit der Weimarer Republik unter anderem Gemeinderatsmitglied in Rahlstedt, Kreistagsmitglied und stellvertretender SPD-Vorsitzender in Stormarn. Er lebte im Haus Am Pulverhof 46 in Rahlstedt, das bis zum Groß-Hamburg-Gesetz von 1937 zum Kreis Stormarn gehörte.

4.800 Stolpersteine


Der gelernte Tischler und spätere Beamte Lüdemann erhielt 1933 Berufsverbot und wurde vorübergehend in „Schutzhaft“ genommen. Sein Haus musste er verkaufen, um seine Familie ernähren zu können. 1943 starb Lüdemann. In Hamburg wurden bereits mehr als 4.800 Stolpersteine zur Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft verlegt. Der Kölner Künstler Gunter Demnig startete das Projekt im Jahre 1995. Europaweit wurden inzwischen weit über 50.000 Steine verlegt.
Zur Bürgersprechstunde lädt Ole Thorben Buschhüter am Dienstag, 19. Mai, 18-19.30 Uhr im Bürgerhaus in Meiendorf, Saseler Straße 21 ein. Mit dabei: die Rahlstedter SPD-Bezirksabgeordneten Carmen Hansch, Marlies Riebe und Frank Rieken.

Weitere Infos: Stolpersteine in Hamburg
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