Gegen das Vergessen

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Gedenkblumen, kein Grabschmuck, werden am Stein niedergelegt. Es ist keine Grabstätte, darauf legen die Initiative und der Stolpersteinkünstler Gunter Dennig, Wert. Foto: Sobersko/pi

Stolperstein für Franz Bosse

Dulsberg. In der Kulmer Gasse in Dulsberg wurde vor Kurzem der 305. Stolperstein für ein
homosexuelles Opfer der NS-Diktatur feierlich „eingeweiht“. Verlegt wurde der Stein bereits etwas eher. Bei der Einweihung waren die Initiatoren anwesend: Dr. Gottfried Lorenz und Ulf Bollmann, von der Initiative „Gemeinsam gegen das Vergessen – Stolpersteine für homosexuelle NS-Opfer“, sowie Wiebke Fuchs und
Steve Behrmann als Vertreter des Magnus-Hirschfeld Centrums in Barmbek, das für den Stein Pate stand und Klaus-Dieter Begemann und Vorstand Klaus Schläger vom UHA e.V. (Unabhängige Homosexuelle Alternative), dem Trägerverein des Magnus-Hirschfeld Centrums. Zum Anlass sagte der Historiker Dr. Gottfried Lorenz einige Worte zu Franz Wilhelm Bosse und zeichnete ein Leben nach, das von Schwierigkeiten überschattet war. Hilfsschule, problematisches Elternhaus, er begeht kleinere Diebstähle, wird straffällig und unter anderem aufgrund des Paragraphen 175 wegen „Widernatürlicher Unzucht“ zu Gefängnis verurteilt. Er kommt später ins Zuchthaus und von dort ins KZ. Tuberkulose – so lautet die Todesursache, als er am 16. August 1941 verstirbt. Aber diese Todesursache, da ist sich der Historiker sicher, „war hier – wie in den meisten Fällen – von den Nazis frei erfunden“.
Die Initiative bemüht sich, noch mehr homosexuelle Opfer des Nazi-Regimes ausfindig zu machen und sichtet in akribischer Kleinarbeit Akte um Akte im Hamburger Staatsarchiv. Wichtig als Stolperstein-Kategorie: Es muss ein Hamburg-Bezug bestehen. Doch gelebt haben muss die Person nicht zwingend in Hamburg. „Hat er beispielsweise als Künstler an der Oper gearbeitet, verlegen wir den Stein vor seiner Wirkungsstätte“, so der Historiker. Doch nicht jeder bekommt einen Stolperstein. „Personen, die sexuelle Handlungen an Kindern vorgenommen haben, schließen wir aus“, sagt Gottfried Lorenz. „Das ist nicht ganz unumstritten in unserer Initiative, aber das ist unser Grundsatz.“ Franz Bosse hat nichts dergleichen getan, daher liegt für ihn jetzt ein Stolperstein in Dulsberg. Für das Magnus-Hirschfeld-Centrum und seinen Förderverein ist es bereits der zweite, für den sie Pate stehen. Und es sollen mehr werden. (ts/pi)
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