Gegen Gewalt in der Partnerschaft

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Die „StoPlerinnen“ treffen sich im Haus der Jugend: „Wir sind ein tolles Team!“ Foto: Haas
 
Simone Bock betont, dass das Team viel für „StoP!“ erreichen konnte Foto: Haas

Positive Bilanz fünf Jahre nach dem Start des Projekts „StoP!“ in Steilshoop

Steilshoop Streitigkeiten kommen in den besten Familien und in allen Stadtteilen vor. Häusliche Gewalt ist aber noch immer ein Tabu-Thema. Mit vereinten Kräften haben engagierte Frauen das Projekt „Stadtteile ohne Partnergewalt“ (StoP) im November 2010 in Steilshoop gestartet, um ein Zeichen zu setzen. „Steilshoop fängt an!“ war damals ihr Motto. Sieben Frauen treffen sich im Haus der Jugend (HdJ) bei Simone Bock und Andrea Jonsson mitten in der Ferienzeit. Der „harte Kern“ ihrer Gruppe zählt sonst 13 Mitglieder. Für das Projekt haben sie sich, unterstützt von Frauen aus der Elternschule, dem Stadtteilbüro und dem HdJ über die Jahre stark gemacht: Dafür, dass ein Tabu-Thema offen angesprochen werden kann. Und dafür, dass Opfer, Täter und deren Nachbarn Unterstützung erfahren. Und endlich wissen, an wen sie sich wenden können, wenn es darum geht, aus der endlosen Spirale von Weghören, Verschweigen oder Vertuschen herauszufinden.
„Wir sind ein tolles Team geworden“, freut sich die Steilshooperin Subeyde Ilter. Auch ihre Tochter hilft in der Projektgruppe mit. Subeyde lebt in einer glücklichen Ehe, aber sie weiß von Fällen, in denen das nicht so ist. „Seit fast fünf Jahren kämpfen wir trotz unterschiedlicher Mentalitäten Hand in Hand gegen Gewalt in den Familien.“
Dass sie in der Gruppe viel gelernt hat, bestätigt auch Jawara Joof. Besonders hilfreich waren die Tipps bei ihrer Arbeit mit „belasteten Familien“ in anderen Stadtteilen. Auch Inge Pries ist von Anfang an dabei. Als Nachbarin musste sie miterleben, wie ein Kind während eines Partnerstreits aus dem achten Stock geworfen wurde. Es überlebte nur, weil es in Büsche fiel, die den Sturz milderten.
Alle kennen Konflikte rund um versprochene Ehen und die Partnerwahl der Töchter. Und sie alle kennen Gewaltopfer unter Nachbarn und im Freundeskreis, die Exzesse ihrer Partner immer wieder entschuldigen oder vertuschen. Auch Hatice Ayde und Erika I Gusti Bagus kennen solche Fälle.

Bilanz nach fünf Jahren


„Auf sich alleine gestellt dagegen vorzugehen würde eher schaden als nützen. Als Gruppe konnten wir dagegen schon so viel bewirken.“ Erstens hätten sie alle „Gesicht gezeigt“ und das Tabu-Thema angesprochen. In Plakataktionen wurden die Damen der Projektgruppe bekannt, die Nachbarn nennen sie jetzt „die StoPlerinnen“. Gewaltopfer wissen inzwischen, dass sie blaue Flecken nicht hinnehmen müssen und welche Beratungsstellen ihnen weiterhelfen. Und Nachbarn bleiben nicht länger ratlos, wenn sie Zeugen sind. „Damit wurden wir zu Türöffnern“, bilanzieren die Frauen, während sie den nächsten Info-Stand von „StoP!“ zum Stadtteilfest am 18. September vorbereiten. Nach wie vor treffen sie sich einmal monatlich zu einem offenen Frühstück für Interessierte: Der nächste „Küchentisch“ findet am 2. September um 10.30 Uhr statt.
Auch Jugendliche wurden mit dem Thema konfrontiert und setzen sich mit Gewaltstrukturen auseinander, die sie auch schon in einem Film nachspielten. Aktuell suchen sie Altersgenossen als Darsteller für ein Theaterstück. Das Drehbuch sei fertig, die Mittel stünden bereit. Sogar eine Männergruppe hätte sich zusammengefunden. Der fehle es aber zurzeit an einer professionellen Anleitung.

„StoP!“ sichern und überall etablieren!


Das Projekt in Steilshoop hat aber auch finanzielle Sorgen. Es erfährt nur begrenzt vom Bezirk Unterstützung. Die ist aber dringend nötig, um das Angeobt auch auf andere Stadtteile auszuweiten. (wh)

Weitere Infos: StoP Steilshoop

Info:
Prof. Sabine Stövesand von der Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) hat „StoP!“ entwickelt und begleitet. Info: www.stop-partnergewalt.org. Unter „StoP vor Ort“ werden die Projekte in Steilshoop und Horner Geest ausführlich vorgestellt. (wh)
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