Gegen Kahlschlag

Anzeige
Einen neuen Platz ohne Bäume? „Das geht gar nicht“, sagen viele Anwohner und posieren spontan mit den Aktivisten (li.) Foto: Haas

Initiative zum Bürgerbegehren sammelt Unterschriften

Steilshoop Die Plakate zieren hier seit vorigen Mittwoch augenfällig die Straßen. „Hat Steilshoop zu viele Bäume?“ lautet die provokante Frage auf rotem Hintergund. Kugelahorne, Platanen und amerikanische Spitzeichen, die hier ab Oktober gefällt werden sollen, sind sichtbar gekennzeichnet mit blaugelben Plastikbändern. Zum Start der Unterschriftenaktion stehen Biertische und -bänke am Schreyerring, Ecke Fehlinghöhe bereit. Viele Passanten auf dem Weg ins EKZ halten an und tragen sich nach kurzem Smalltalk mit den Aktiven ein. Für die Neugestaltung des Zentrums sollen – wie mehrfach berichtet – in Steilshoop 117 Bäume gefällt werden, davon stehen 52 auf öffentlichem Grund. Der Protest gegen die Baumfällungen begann schon im Frühjahr, als sich die genaue Zahl herumgesprochen hatte. Doch erst seit Ende Juni herrsche Klarheit über die Gründe der Abholzungen: Lediglich optische Sichtachsen, andere Wegeverbindungen und mehr Parkplätze sollen sie ermöglichen. Gegen diesen „sinnlosen Kahlschlag“ habe sie jetzt ein Bürgerbegehren angemeldet, erklären die überparteilichen Vertrauensleute: der Mathematik- und Physiklehrer Dominik Höchstetter von der Schule am See, Dr. Martin Kersting, Leiter des Stadtteiltreffs „Jetzt“ sowie Klaus Wachs, pensionierter Postbeamter, der seit 40 Jahren in Steilshoop wohnt.

Grüne Mitte erhalten


Das Bürgerbegehren sei der Versuch, die Bezirksverwaltung umzustimmen. Denn die habe während des durch eine Petition erzwungenen Baumfäll-Moratoriums in den vergangenen Monaten keinerlei Kompromiss signalisiert. „Wir wollen aber die grüne Mitte hier erhalten“, sagen die Vertrauensleute. Jetzt stellen sie sich der Diskussion auf der Straße vor dem EKZ. Mehrheitlich ernten die Aktivisten und ihre Helfer Zuspruch. „Wir lieben unsere Bäume“, erklären Passanten fast unisono, während sie sich in die Listen eintragen. „Wie wichtig die Bäume für unseren Klimaschutz sind, ist den Herren vom Amt doch egal. Die wohnen ja auch nicht hier.“ ereifert sich ein Senior.
Für die Initiatoren drängt jetzt die Zeit. In drei Wochen wollen sie mindestens ein Drittel der bis Februar 2016 erforderlichen 6.636 Unterschriften für ihr Bürgerbegehren vorlegen. Nur so könnten die ab Oktober vorgesehenen Baumfällungen noch gestoppt werden. Schon jetzt lägen rund 700 Unterschriften vor.
„Eine Bürgerbeteiligung hat während des gesamten Planungsprozesses seit 2007 stattgefunden, um gemeinsam die Neugestaltung des Zentrums zu erarbeiten“, betont indes Bezirksamtsleiter Thomas Ritzenhoff. Das Bürgerbegehren starte nun einen zweiten Beteiligungsprozess, dessen Ausgang aber auch das Ende des Projektes bedeuten könnte. „Dies wäre mehr als ein herber Rückschlag.“ (wh)

Bürgerbegehren: www.kahlschlagstoppen.de, Info zum „Innovationsquartier“: www.mitte-steilshoop.de
Anzeige
Anzeige
3 Kommentare
53
Bernhard Lang aus Steilshoop | 01.09.2015 | 21:57  
393
Michael Kahnt aus Barmbek | 03.09.2015 | 08:07  
71
Eleonore Heilmann aus Bramfeld | 04.09.2015 | 21:28  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige