Gehörlosenschule zieht weg

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Das Schulgelände der Gehörlosenschule an der Hammer Straße wird geräumtFotos: Jenssen

Nach 50 Jahren jetzt Umsiedlung nach Othmarschen. Baupläne für Schultzweg

Von Martin Jenssen
Marienthal/City. Für die Hammer Straße war die Hamburger Gehörlosenschule ein festes Markenzeichen. Fast 50 Jahre residierte die Schule im Bezirk Wandsbek. Seit 1964 sorgen speziell ausgebildete Pädagogen an der Hammer Straße dafür, dass junge Menschen trotz massiver Behinderung fast ohne alle Einschränkung am öffentlichen Leben teilhaben können. Jetzt schließt die Schule ihre Pforten, um den jungen Menschen in Othmarschen unter noch besseren Bedingungen zu helfen.
Gleichzeitig wird die Schwerhörigenschule am Schultzweg 9 in der Hamburger City geschlossen. Auch die Schüler, die in der City die Schulbank drückten, werden ab 1. August am Holmbrook 20, nahe der Asklepios Klinik Altona, unterrichtet. Damit haben beide Schulzweige, die im Jahre 2000 zur Hamburger „Schule für Gehörlose“ zusammengeführt wurden, endlich einen gemeinsamen Standort. Die Schule bekommt den neuen Namen „Elbschule“ - Bildungszentrum Hören und Kommunikation.


„Unsere Schüler können nach der Schulentlassung in fast allen Berufen arbeiten.
Die Welt steht ihnen offen!“
Johannes Eitner, Schulleiter


Bis vor wenigen Jahren wurden in den Klassenräumen am Holmbrook die Kinder der „Internationalen Schule“ unterrichtet. Die teure Privatschule zog um an den Hemmingstedter Weg. Von der Schulbehörde wurden die Räume aufwendig für die hörgeschädigten Kinder umgebaut. Besonderer Wert wurde dabei auf die Raumakustik und den Brandschutz gelegt. Um den Kindern beste akustische Bedingungen zu bieten, bekommen alle Klassenräume einen Teppichboden und schallabsorbierende Wandverkleidungen.
Mit Beginn der Schulzeit 2013/14 werden an der „Elbschule“ 211 Schüler in 30 Klassen unterrichtet. Die Schüler können den Haupt- oder Realschulabschluss erreichen. Wer anschließend das Abitur schaffen will, besucht ein normales Gymnasium. Neben den 211 Schülern am Holmbrook betreuen die 80 Lehrer der „Elbschule“ 205 hörgeschädigte Schüler, die in 100 verschiedenen Hamburger Schulen am normalen Unterricht teilnehmen. Schulleiter Johannes Eitner: „Unsere Schüler können nach der Schulentlassung in fast allen Berufen arbeiten. Die Welt steht ihnen offen!“

Lange Tradition

Hamburg hat eine lange Tradition bei der Ausbildung hörgeschädigter Menschen. Bereits 1827 wurde die erste Gehörlosenschule eröffnet. Die beispielhafte Arbeit der Lehrer wurde immer wieder unterstützt von Prominenten, u.a. von dem Schauspieler Mario Adorf. Stolz ist die „Elbschule“ darauf, dass es wohl die einzige Schule in Hamburg ist, in der sogar Babys unterrichtet werden. Die jüngsten „Schüler“ sind zwei bis drei Monate alt. Wird nach der Geburt eine Hörschädigung festgestellt, kann in kürzester Zeit die Ausbildung in der „Elbschule“ beginnen. In das geräumte Gelände an der Hammer Straße wird demnächst eine andere Schule einziehen. Das Gelände am Schultzweg soll dem Wohnungsbau zur Verfügung gestellt werden.
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