Geschichte neu entdecken

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Sigrid Curth ist Sprecherin der Geschichtswerkstatt. Zum Kreis der Engagierten zählen unter anderem auch Volker Martens (li.) und Andreas Reichert Foto: Christa Möller

„Stöbern“ im Brauhaus-Viertel in Alt-Wandsbek – wer macht mit?

Von Christa Möller
Wandsbek
Das Brauhaus-Viertel in Wandsbek verändert nach Krieg und Wiederaufbau heute erneut sein Gesicht: Zwischen Wandsbeker Chaussee und Mühlenteich, Litzowstraße und Brauhausstraße sind viele Zeugnisse Wandsbeker Geschichte längst verschwunden. Wer weiß noch, wo einst jenseits der Grenze zu Hamburg das „Bürgerliche Brauhaus Hamburg“ stand? Wer erinnert sich, dass das Wandsbeker Rathaus bis zur Ausbombung an der (Wandsbeker) Königstraße stand? Ganz in der Nähe, in den heute verschwundenen Schulgassen, später am Mühlenteich und auf dem Grundstück „Dotzauers Quarree“ waren auch Wandsbeker Schulen angesiedelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auf weiten Teilen des zerbombten Alt-Wandsbek das Einkaufszentrum Quarree errichtet. Auch Wohnbauten entstanden am Rande des 1960 verlagerten Wochenmarktes.

Wir-Gefühl fördern


Die Geschichte und vor allem Geschichten von früher zu ergründen, das hat sich die Geschichtswerkstatt Wandsbek auf die Fahnen geschrieben. Sie will mit ihrem Einsatz dazu beitragen, das Wir-Gefühl und den Zusammenhalt der Menschen im Brauhaus-Viertel zu fördern. Die Mitglieder wollen wissen, wie sich zwischen Markt und Mühlenteich-Ufer Grenzgänger und Handwerker, Gastwirte, Händler und ihre Kunden in den Gassen und Passagen des „Gänge-Viertels“ begegneten, das in der traditionellen Mischung aus Arbeiten und Wohnen auch mehreren Großfamilien eine Heimat bot. „Die Zigeuner, so wurden sie damals genannt, waren hier integriert und, ebenso wie die übrige Bevölkerung, nicht gerade gut betucht“, weiß die Sprecherin der Geschichtswerkstatt, Sigrid Curth. Daran habe sich in den 70 Jahren seit dem Kriegsbrand 1943 nicht viel geändert. Die heute 68-Jährige hat sich schon mit zehn Jahren mit Geschichte beschäftigt, wollte wissen, „wie haben die Leute früher gelebt und gearbeitet, wer waren die ‚stillen Helden‘ des Alltags, zumal in Not- und Kriegszeiten?“ So waren Ausbildung und Berufsziel vorgezeichnet: Soziologie, Wirtschafts- und Sozialgeschichte und deren praktische Anwendung im Personal- und Sozialwesen. Seit 1990 wohnt sie im Wandsbeker Kerngebiet und befasst sich nun auch hier mit der Geschichte, obwohl sie nicht in Hamburg geboren ist. Als im Rahmen einer Stadtteilkonferenz der Plan zur Gründung der Geschichtswerkstatt entstand, gehörte sie zu den vier Engagierten, die ein Arbeitskonzept dafür erstellten. Ziel unter anderem: „Mit allen auf dem Feld der Wandsbeker Geschichtsforschung tätigen Institutionen und Einzelpersonen zusammen zu arbeiten, um neuen, bisher weniger beleuchteten Aspekten der Sozial- und Kulturgeschichte Wandsbeks das nötige Gewicht zu verleihen.“ Der Kaufmann Andreas Reichert, 57, ebenfalls kein gebürtiger Hamburger, lebt seit 2005 in Wandsbek und engagiert sich seit einem Jahr in der Geschichtswerkstatt. Er kam durch das „GreenGym-Projekt“ im Wandsbeker Mühlenteichpark in Kontakt mit Sigrid Curth. Auch ihn interessiert, wie die Leute im Bezirk einst gelebt haben. Das gilt ebenso für einen weiteren Mitstreiter, den ehemaligen Baumaschinenverkäufer Volker Martens, 68. Der gebürtige Wandsbeker hat sich der Geschichtswerkstatt erst vor einem Vierteljahr angeschlossen, nachdem er durch eine Broschüre über das Kulturschloss darauf aufmerksam geworden war. Die rund zehn Mitglieder der Geschichtswerkstatt planen gerade eine Ausstellung über „Das Brauhaus-Viertel zwischen gestern und morgen“, die im Winter im Kulturschloss zu sehen sein soll.

Interessierte erfahren Näheres mittels E-Mail an geschichtswerkstatt@kulturschloss-wandsbek.de
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