Gift, Methan und ein Verdacht

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Auf der ehemaligen Deponiefläche Neusurenland soll weiter Sport getrieben werden Foto: Glitz

Was lagert am Neusurenland? Sanierung würde 39 Millionen Euro kosten

Von Rainer Glitz
Farmsen. Gisela Hahnemann ist beunruhigt. „Ich möchte die Menschen vor Schaden bewahren, gerade die Kinder“, sagt die 80-Jährige aus Farmsen. Deshalb erzählt sie ihre Geschichte. Im Jahr 1957 zog sie mit ihrer Familie in den Bramfelder Weg, in die unmittelbare Nähe der damaligen Deponie Neusurenland. Eines Tages hätten ihre drei ältesten Kinder plötzlich einen heftigen Haut-Ausschlag bekommen. „Der Arzt kam jeden Tag, die Kinder mussten festgebunden werden, damit sie nicht alles aufkratzten“, erzählt Gisela Hahnemann. Die Kinder hatten offenbar auf der damals noch als Müllkippe benutzten Fläche Neusurenland gespielt.

Ihre älteste Tochter sei später immer krank gewesen, so die Mutter von zehn Kindern. Bei einer Untersuchung habe ein bekannter Toxikologe aus Langenhorn Dioxin im Blut nachgewiesen, die Unterlagen seien leider verschollen. Die Tochter starb Anfang 2012 mit 59 Jahren. Frau Hahnemann erinnert sich an viele ehemalige Nachbarn aus Farmsen, die an Krebs gestorben sind. Fakt ist, dass in Farmsen auch Chemieabfälle abgelagert wurden, in den 80er Jahren waren besorgte Eltern des Gymnasiums Farmsen aktiv. Doch wichtige Unterlagen fehlten.
Einen Beweis für Dioxin im Erdreich unter der heutigen Sportanlage gibt es bis heute nicht. Auch die jüngste Antwort des Senates auf eine Anfrage der Wandsbeker Grünen liefert keine Belege. „Dort schlummert allerdings nicht nur Methan, sondern ein Giftcocktail, der nicht ganz ungefährlich ist“, sagt Susanne Zechendorf, Vorsitzende der grünen Bezirksfraktion. Die Umweltbehörde habe bei den Gesprächen über die geplante BMX-Bahn auf der Fläche des Post SV betont, es bestehe keine Gesundheitsgefahr, Sport sei möglich. „Wir wollen uns bei der Neugestaltung der Sportanlage Neusurenland nicht querstellen“, erklärt Zechendorf. Die ehemalige Deponiefläche müsse aber unter intensivster Beobachtung bleiben. Die Grünenpolitikerin spricht von „einer tickenden Zeitbombe“. Gefahr durch ausströmendes, entzündliches Methangas bestehe vor allem im Keller des Vereinsheimes. Er müsse deshalb abgedichtet werden. „Beim Umbau der Fläche darf es vor allem keine Erdbewegungen durch Bagger geben, sonst ist unklar, was passiert“, warnt Zechendorf. Langfristig müsse über eine komplette Sanierung nachgedacht werden, trotz der hohen Kosten. In der Senatsantwort wird die Summe von 39 Millionen Euro genannt. Die Grünen schlagen vor, einen Fond für die Sanierung von ehemaligen Deponieflächen in Hamburg aufzulegen.
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