Giftköder im Jacobi-Park

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Angelika Greiner-Sztukowski mit Labrador-Bordercollie Lu (l.) und Daniela Kurtic mit dem bosnischen Straßenhund-Mischling Leo Foto: mkb
 
Diese Warnung hing letzten März am Tor der Hundeauslauffläche Foto: wb

Zwei Hunde überleben Wurst mit Rattengift. 2015 gab es anonyme Drohungen

Von Martin Kranz-Badri
Wandsbek-Eilbek
Am 22. März 2015 hing ein roter Zettel am Tor zur Hundeauslauffläche im Jacobipark: „Wenn die Kläfferei auf diesem Platz nicht umgehend, deutlich und dauerhaft zurückgeht, wird es hier zu harten Maßnahmen kommen.“ Ob es der anonyme Verfasser war, der jetzt Giftköder in der Hundeauslauffläche auslegte? Fakt ist: Der Labrador-Bordercollie von Angelika Greiner-Sztukowski und der Mischling von Daniela Kurtic fraßen am Montag voriger Woche die Köder – und überlebten zum Glück. „Ich kam morgens um 8 Uhr rein und habe mich noch gewundert, dass die Türen offen standen“, so Kurtic. Und weiter: „Mein Leo stürmte herein und fraß und fraß und ich sah, dass er etwas Blaues im Maul hatte. Ich habe es eingesammelt und bin schnell zur Tierärztin gefahren.“ Die behandelnde Tierärztin bestätigt den Verdacht: in der Leberwurst und der Fleischwurst war eindeutig Rattengift versteckt. Dieses ist
ohne Behandlung auch für Hunde tödlich. Damit scheint der alte Streit zwischen Hundehaltern und Anwohnern des Jacobiparks eskaliert zu sein. Bereits 2012 berichtete das Wochenblatt darüber, dass Anwohner sich durch das Hundegebell belästigt fühlten. Die Hundebesitzer beklagen jedoch, niemand habe jemals das persönliche Gespräch gesucht.

Polizei ermittelt


Daniela Kurtic ging gleich nach dem Tierarztbesuch zur Polizei und erstattete Anzeige gegen Unbekannt. Nun ermittelt die für Tierschutzdelikte zuständige Wasserschutzpolizei in Harburg. Dadurch, dass das Gift in einem umzäunten Hundegehege gezielt ausgelegt war, wird nicht nur wegen Sachbeschädigung ermittelt, sondern wegen Verdacht des Verstoßes gegen Paragraph 17 Tierschutzgesetz. Anwalt Thomas Böckmann: „Bei gezielter Hundevergiftung wie in diesem Fall handelt es sich um den Straftatbestand der Tierquälerei. Eine „Sachbeschädigung“ kann mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe bestraft werden. Tierquälerei wird laut Tierschutzgesetz mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft. Hinzu kommt der zivilrechtliche Weg der Klage auf Schadensersatz für die entstandenen nicht unerheblichen Tierarztkosten.“ Die Hundebesitzer verstehen jedoch nicht, warum ihre vierbeinigen Freunde laut Gesetz nur als Sachen behandelt werden. Kurtic: „Für mich ist das hier gleichgesetzt mit einem Mordanschlag. Der Täter hat es in Kauf genommen, dass die Tiere sterben. Und für uns sind die Hunde Familienmitglieder.“

Kontrolle


Die Stimmung unter den Hundehaltern schwankt zwischen Zorn und pragmatischen Vorsichtsmaßnahmen. So kontrolliert nun jeden morgen der Erste, ob der Platz „sauber“ ist und schickt eine Nachricht in die neu gegründete Whatsapp-Gruppe. Die Hundehalter harken nun auch unter den Büschen, damit die Kontrolle schneller und gründlicher verläuft. Manche wollen die niedrigen Büsche gleich ganz herausreißen. Zudem ist die Idee entstanden, ein Giftköder-Training zu besuchen und entsprechende Schulungen regelmäßig im Jacobipark anzubieten. Trotz des Tatendrangs: Anfang der Woche steckten Glasscherben aufrecht im Boden - hier können sich die Vierbeiner leicht verletzen, befürchtet Frau Greiner-Sztukowski: „Wir gehen davon aus, dass das noch nicht vorbei ist.“
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1 Kommentar
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Janine Schomann aus Hamm | 24.02.2016 | 10:05  
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