Giftpflanzen: Gefährliche Schönheiten

Wann? 25.06.2017

Wo? Walddörferstraße 273, Walddörferstraße 273, 22047 Hamburg DE
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Helge Masch vor der Tafel mit den Kandidaten zur Wahl der Giftpflanze 2018 Foto: je
 
Die Akelei blüht in vielen Gärten Foto: wb
Hamburg: Walddörferstraße 273 |

Botanischer Sondergarten ruft zur Wahl auf. Am 25. Juni wird über die Kandidaten beim Tag der offenen Tür in Wandsbek informiert

Von Martin Jenssen
Wandsbek
Es sind absolute Schönheiten. Und doch muss man sich vor ihnen in Acht nehmen. Die Giftpflanzen in unseren Gärten. Die Gartenbesitzer wissen oft nicht viel über ihre Gefährlichkeit. Vorsichtig sein und etwas mehr über die Pflanzen zu wissen, kann Menschenleben retten. Das Gift der Pflanzen kann unter anderem Halluzinationen, Herzmuskelverkrampfung oder innere Blutungen auslösen.Nach Angaben der Giftnotrufzentralen werden jährlich über 3000 Giftunfälle von Kindern durch den Verzehr von Giftpflanzen verursacht. Aber auch Tiere können durch den Verzehr von Pflanzen sehr krank werden und gegebenenfalls sogar sterben. Eine Aufklärungskampagne über Giftpflanzen betreibt seit vielen Jahren der Botanische Sondergarten in Wandsbek. Seit 2005 veranstalten die Mitarbeiter des Sondergartens einen Wettbewerb zur Wahl der Giftpflanze des Jahres. Naturfreunde können auf großen Gartenschau-Veranstaltungen, über Internet oder auf Veranstaltungen im Wandsbeker Sondergarten die „Giftpflanze des Jahres“ wählen.

Abstimmung im Internet


Diese Aktion hat inzwischen bundesweite Aufmerksamkeit erzielt. Der Link zur Abstimmung: Wahl der Giftpflanze des Jahres 2018. Helge Masch, Leiter des Botanischen Sondergartens: „Die Aktion wendet sich an alle. Wir wollen über die Pflanzen informieren.“ Wer mitmacht, kann zwischen fünf interessanten Pflanzen wählen. In diesem Jahr stehen die Pflanze Rizinus (sehr stark giftig), das Gehölz Seidelbast (sehr stark giftig) die Staude Akelei (giftig), die Kübelpflanze Liebesblume (giftig) und die Nahrungspflanze Tomate (giftig) zur Auswahl. Abgestimmt werden kann bis zum 15. Dezember. Am 16. Dezember wird der „giftige“ Gewinner für das Jahr 2018 bekanntgegeben. Ab Januar wird die Pflanze dann ausführlich auf einer Internetseite vorgestellt. Auch Funk und Fernsehen sind auf diese Aktion längst aufmerksam geworden. In einem Fernsehkrimi spielte die „Herbstzeitlose“ (Giftpflanze 2010) eine mörderische Rolle. Leider auch in der Realität. Immer noch gibt es Todesfälle, weil Menschen die Blätter der „Herbstzeitlosen“ mit Bärlauch verwechseln. Auch in Quizshows wie „Gefragt – Gejagt“ werden die Wandsbeker Erkenntnisse über Giftpflanzen zu Fragestellungen genutzt.

Führungen informieren über Giftpflanzen


Um die Menschen zu informieren werden im Sondergarten Führungen veranstaltet. Sie lernen dabei, dass zum Beispiel die Gartenbohne, der Holunder, die Kartoffel, der Rhabarber, der Walnussbaum, die Zuckerrübe und sogar der Spargel zu den giftigen Nahrungspflanzen gehören. Natürlich nicht die Früchte oder Knollen dieser Pflanzen, die bei uns lecker zubereitet auf dem Teller landen. Aber fast alle anderen Teile dieser als „essbar“ bezeichneten Pflanzen sind giftig. Die gewählten „Giftpflanzen“ in den Jahren von 2005 bis 2016 sind Eisenhut, Pfaffenhütchen, Fingerhut, Herkulesstaude, Tabak, Herbstzeitlose, Eibe, Goldregen, Kirschlorbeer, Maiglöckchen, Rittersporn und Schlafmützchen. Die „Giftpflanze 2017“ ist das „Tränende Herz“. In der Beschreibung, die der Botanische Sondergarten im Internet dazu gibt, heißt es: „Das tränende Herz ist eine sehr häufige Gartenpflanze. Alle Pflanzenteile sind giftig, besonders die Wurzeln. Die Vergiftungserscheinungen: Brennen und Schmerzen im Mund, Übelkeit, Erbrechen, Magenkrämpfe, Koliken, Atemnot und Kollaps. Die Wurzeln sind hautreizend. Bei dem geringsten Verdacht einer Vergiftung sofort den Arzt aufsuchen.“

Ausrotten ist keine Option


Wie kann man sich vor giftigen Pflanzen schützen? Helge Masch: „Eine Pflanze trägt kein Warnschild. Deswegen ist Bildung sehr wichtig. Früher wurde das Wissen über Pflanzen von den Großeltern vermittelt. In den Schulen wird die Pflanzenkunde heutzutage leider seit vielen Jahren vernachlässigt.“ Das Ausrotten der Giftpflanzen aus den Gärten ist keine Option. „Das wäre eine Katastrophe“, sagt Masch. „Durch jede Pflanze, die ausstirbt, sind auch Tierarten bedroht. Beispiel: die Zaunrübe. Das ist eine Giftpflanze. Aber von dem Nektar und Pollen aus den Blüten ernährt sich eine Wildbienenart.“ Zu diesem Thema erklärte Naturschützerin Loki Schmidt: „Wir wollen doch alle nicht, dass unsere Natur noch mehr verarmt!“

Tag der offenen Tür


Informationen zu den Giftpflanzen gibt es auch am „Tag der offenen Tür“ , der am Sonntag, 25. Juni, von 11 bis 17 Uhr im Sondergarten an der Walddörferstraße 273 stattfindet.

Weitere Infos und Abstimmung online: Wahl der Giftpflanze des Jahres 2018
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