Goldenes Jubiläum für Schule Bekkamp

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Das Schulgebäude am Bekkamp Foto: sin
 
1968: Die Schüler der Bekkamp-Schule feiern Fasching Foto: privat

In Hamburg-Jenfeld werden 132 Kinder mit geistiger Behinderung intensiv gefördert

Jenfeld Was 1966 als „Heilpädagogische Tagesstätte“ an der Rahlstedter Straße 77 von Gerda Luscher-Schulz gegründet wurde, war noch Pionierarbeit: Mit drei Mitarbeitern – der Schulleiterin, einer Erzieherin und einer Reinigungskraft – widmete man sich der Förderung geistig behinderter Kinder. Von Anfang an ging es dabei nicht ausschließlich um das Lehren von obligatorischem Unterrichtsstoff wie Rechnen und Schreiben, sondern auch um das Erlernen von Fertigkeiten, die die Teilhabe an der Gesellschaft ermöglichen – etwa Kochen, Verkehrsunterricht und kleine Reparaturarbeiten. Ziel war stets, den Schülerinnen und Schülern so viel Eigenständigkeit wie möglich mit auf den Weg zu geben. Die Anzahl von Schülern und Schulpersonal stieg rasant. Der Bedarf war offensichtlich – vor der Gründung hatte es im Bezirk über 60 Kinder gegeben, die aufgrund ihrer Behinderung als „unbeschulbar“ gegolten hatten. Hier wurden sie nun endlich gefördert. Bald schon wurde es zu eng in der Schule. Erst wich man auf Räume der heutigen Grundschule Alt-Rahlstedt aus, 1977 zog die Schule in einen Neubau – an den Bekkamp 52 in Jenfeld. Bis heute ist dies die Adresse der Schule mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung.

132 Kinder


Mittlerweile ist Stephan Peter der Schulleiter, der fünfte in fünf Jahrzehnten. Britta Faak ist seit 2000 stellvertretende Schulleiterin und war 2006 bis 2008 auch selbst Schulleiterin. Rund 85 Köpfe zählt das Kollegium heute, 132 Kinder werden beschult – in zehn Klassenstufen, Klassenwiederholungen sind möglich. Manches Kind besucht also durchaus 10 oder 12 Jahre lang diese Schule. „Wir sind ein bisschen wie eine große Familie“, berichtet Dr. Wolfgang Mahns aus seiner Zeit als Schulleiter (2008 bis 2015). „Der tägliche Kontakt und gegenseitige Austausch mit den Schülern ist intensiv.“ Die Ziele sind dieselben geblieben, die Zeiten haben sich geändert. Internet und Computer spielen heute zum Beispiel eine große Rolle, Spielgeräte und Hilfsmittel wurden optimiert. Der ehemalige Schulleiter Hans-Ulrich Frank (Amtszeit 1993 bis 2006) etwa schwärmt rückblickend von den Anfängen der Digitalfotografie: „Da es keine Schulbücher für Sonderschulen gab und wir uns unser Unterrichtsmaterial selbst stricken mussten, war das eine ganz wunderbare neue Sache für uns: Wir machten Ausflüge, gingen zurück zur Schule und konnten die Fotos sofort ausdrucken. Für Kinder, die wenig sprechen, ist das ganz formidabel: das gerade Erlebte als Foto zu sehen und sich darüber noch einmal austauschen. Oder – die Fotos in Schwarzweiß ausdrucken, und dann hieß es: „Welche Farbe hatten die Enten? Mal sie bitte richtig an!“

Konsequente Förderung


Der Erfolg gibt Recht: Was Kinder durch kompetente und gezielte Förderung zu leisten imstande sind, welche Fortschritte sie erzielen, ist teilweise kaum vorstellbar. Das goldene Jubiläum wurde nun gebührend gefeiert: Schulfeier, Festakt für Ehrengäste, Kooperationspartner, Institutionen aus dem Stadtteil, dem Oberschulrat Martin Gustorff, dem Vorsitzenden der Bezirksversammlung Hamburg-Wandsbek und ehemaligen Oberschulrat Peter Pape und schließlich die Feier für das Kollegium und ehemalige Kollegen. Die Schule Bekkamp sei nicht nur wichtig im Stadtteil Jenfeld, sondern auch zu einem anerkannten Kompetenzzentrum im Raum Wandsbek geworden, hieß es in einer der Festreden.
„Eine ereignisreiche und wunderbare Festwoche“, resümiert Stephan Peter. „Es beeindruckt mich tief, wie viel Mühe die Mitarbeiter unserer Schule in die Ausrichtung dieses Jubiläums gesteckt haben – inklusive der vielseitigen Planung dieser Woche, Präsentationen in unserer Jubiläumsausstellung oder vor allem auch einstudierter Bühnenvorführungen mit unseren Kindern.“ Gerade bei diesen Aufführungen, ob Gesang, Theater, Trommelgruppe oder Tanz, wuchs mal wieder manches Kind über sich hinaus, zeigte wiederum neue Fortschritte, neuen Mut oder neue Fähigkeiten. Stolz und Mitfreude mischen sich dann bei den Schulmitarbeitern, wenn wieder einmal sichtbar wird, wie viel ihre tägliche Arbeit erreichen kann. (sin)
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