Großes Familientreffen in Farmsen

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Die Familie Philipp besteht heute aus über 70 Personen Foto: kg

Stadtteil wurde in den 1950iger Jahren zur zweiten Heimat für Kriegsflüchtlinge

Farmsen Minna und Otto Philipp hatten das große Glück, gleich nach dem Krieg eines der beliebten Reihenhäuser im Swebenbrunnen in Farmsen zu bekommen. Die Mietergenossenschaft im Stadtteil ist auch heute noch Hauptvermieter in den anliegenden Straßen rund um den Farmsener Bahnhof. Familien, die von Beginn an in der 65 Quadratmeter großen Wohnung lebten, haben in vielen Fällen die kleinen schmucken Häuschen mit kleinem Vorgarten und großer Terrasse weitergereicht an Kinder und Enkel. Seit 1954 lebten auch die Phillips im Swebenbrunnen und haben dort neun Kinder großgezogen. Zwei leben nicht mehr und auch Minna und Otto sind schon vor 30 Jahren verstorben, die Erinnerungen an sie und die Zeit im Stadtteil ist aber umso lebendiger geblieben. Sohn Dieter Philipp hat es immer wieder geschafft, die Verwandtschaft für ein Treffen zu begeistern. Auch zum 30. Jahrestag von Minna und Otto. Fast 70 Nachkommen des Ehepaares Philipp trafen sich im Condor-Vereinshaus in Farmsen und plauderten von alten Zeiten. „Ich wollte einfach mal alle an einen Tisch holen“, freut sich Dieter Philipp. Besonders für die Jüngeren ist die Geschichte interessant, aber keiner kann sich das Leben von damals mit so vielen Kindern auf engem Raum so richtig ausmalen. Mattis (15) stellt sich das Leben seiner Urgroßeltern ziemlich stressig vor. Ohne ein eigenes Zimmer wäre ihm der Alltag zu beengt. „Für uns war das Leben damals ganz normal“, erklärt Dieter Philipp. Man habe einfach viel mehr untereinander in der Nachbarschaft zusammengehalten. Anlass für das große Familientreffen war auch der Gedanke, „dass vielleicht einige der Philipp Nachkommen in derselben Uni sitzen und sich gar nicht kennen. Mit der Vermutung lag Dieter Philipp gar nicht so falsch, denn tatsächlich sind sich beim Familientreffen in Farmsen zwei Urenkel begegnet, die beide in Hannover studieren und keine Ahnung voreinander hatten. Jüngster im Familienclan ist der einjährige Moritz, der fast das ganze Treffen verschläft. Nach Hamburg gekommen war das Ehepaar Philipp mit seinen neun Kindern auf der Flucht und sie blieben, weil der Vater Arbeit fand und sich die Kinder schnell in Farmsen einlebten. „In den 1950iger Jahren glich Farmsen noch einem Dorf und Platz zum Spielen gab es überall. Uns hat damals bei unserer Ankunft in Hamburg eine Familie aufgenommen, obwohl wir so viele waren und sie nur ein einziges Zimmer frei hatten“, erinnert sich Dieter Philipp. (kg)
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