Häuser vor Abriss?

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Am Meiendorfer Stieg stehen Siedlungshäuser zum Teil seit Jahren leer Foto: tel

„Insel“: Genossenschaftsmitglieder in der Berner Gartenstadt beunruhigt

Von Michael Hertel
Farmsen
Neue Unruhe in der Berner Gartenstadt-Siedlung. Geschäftsführer Sönke Witt bat kürzlich Genossenschaftsmitglieder, Vertreter und Aufsichtsrat zur Informationsveranstaltung. Vorgelegt wurden Gutachten für die Häuser auf der sogenannten Insel. Die 15 Doppelhäuser auf der Dreiecksfläche zwischen Berner Brücke, Berner Heerweg, Saseler Straße und U-Bahn stehen nämlich – im
Gegensatz zum größten Teil der Siedlung – nicht unter Denkmalschutz. Dort werden seit Jahren durch Tod oder Wegzug frei werdende Wohnungen nicht mehr vergeben und stehen leer. Einige Genossenschaftsmitglieder erwarten den
baldigen Abriss der ersten Häuser aus den 1920-er Jahren.
„Die Gutachten ergaben, dass die Häuser auf der Insel sowohl erhaltensfähig als auch erhaltenswürdig sind. Sie sind laut Architekten von einfacher, aber solider Konstruktion“, berichtet ein Mitglied, das namentlich nicht genannt werden möchte. Grund: „Die Gutachten sind nicht öffentlich. Alle mussten unterschreiben, dass sie gegenüber Dritten nicht daraus zitieren oder Unterlagen weitergeben. Wer sich nicht daran hält, könnte wegen ungenossenschaftlichem Verhalten sogar sein Haus verlieren“. Die Forderung der Kritiker: Alle Siedlungshäuser müssen erhalten bleiben, und die „Insel“ (Dreiecksfläche) soll nachträglich unter Denkmalschutz gestellt werden.

Entscheidung soll bis Frühjahr fallen


Vorstand Sönke Witt ist auf die innergenossenschaftliche Opposition, die auch eine eigene Webseite betreibt, nicht gut zu sprechen: „Es stimmt, die Genossenschaft hat ohne Verpflichtung den Mitgliedern interne Unterlagen bereitgestellt und sich im Gegenzug Vertraulichkeit zusichern lassen. Statt sachlich über die Ergebnisse zu diskutieren wurde von einigen Mitgliedern mit Verschwörungstheorien und Unwahrheiten gearbeitet.“ Witt räumt ein, dass er Denkmalschutz auch kritisch sieht: „Der ist bürokratisch und kostet uns extra Geld. Der Vorstand ist aber gehalten, wirtschaftlich zu arbeiten.“ Finanziell geht es der Gartenstadt eG freilich nicht schlecht, wie Aufsichtsratsmitglied Lars Pochnicht (SPD-Bürgerschaftsabgeordneter) erklärt.
Die „Insel“ war 2013 vom Denkmalschutz ausgenommen worden, weil die Genossenschaft damals laut Denkmalschutzamt „glaubhaft darlegte, dass die Zumutbarkeit der Instandsetzung und Erhaltung der dort vorhandenen Gebäude ... nicht gegeben“ war. Vorstandskritiker befürchten unter Hinweis auf ein großzügigeres Baurecht auf der „Insel“ bald erste Abrisse mit anschließender dichter, mehrgeschossiger Neubebauung. „Das ist erst der Einstieg in eine laut Denkmalschutzvertrag mögliche Verdichtung auch innerhalb des geschützten Bereiches“, behauptet ein Mitglied. Eine Entscheidung über die Zukunft der Häuser auf der Dreiecksfläche fällt laut Pochnicht bis April nächsten Jahres.
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3 Kommentare
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Rainer Stelling aus St. Georg | 01.12.2015 | 15:25  
6
uschi artus aus Farmsen-Berne | 04.12.2015 | 15:10  
403
Rainer Stelling aus St. Georg | 04.12.2015 | 18:33  
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