Hamburg: Bald klingt‘s in Wandsbek

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Ferdinand Försch und die Musikerin Stefanie Ressin beim Verpacken eines Saiteninstruments
 
Ferdinand Försch an einer Klangwand Fotos: Jenssen

Musiker Försch zieht mit Instrumenten an Wandsbeker Allee

Von Martin Jenssen
Hamburg. Gearbeitet wird zur Zeit fast rund um die Uhr im „KlangHaus“ an der Berzeliusstraße in Billstedt. Es sind traurige Umzugsarbeiten. Weit über 100 Musikinstrumente und Kunstobjekte werden sorgsam verpackt. Schweren Herzens muss der Musikkünstler Ferdinand Försch (63) sein langjähriges Domizil in Billbrook aufgeben. Die immer wieder erhöhten Mieten konnte er für das mit musikalischen Kunstobjekten vollgestopfte Haus nicht mehr aufbringen.
Die traurige Nachricht für Billbrook könnte ein gute Meldung für Wandsbek sei. Das musikalische Kunsthaus zieht um in ein ehemaliges Fitnesscenter an der Wandsbeker Allee. Sein erstes norddeutsches Musiker-Domizil hatte der aus Franken stammende Künstler Ferdinand Försch im Schloss Wotersen bei Roseburg im Kreis Herzogtum-Lauenburg. Als das Schloss 1996 verkauft wurde, bot ihm die Firma Böttcher (Hotel „Böttcherhof“) das Haus in der Berzeliusstraße 89 als neue Unterkunft an.

Zuschüsse gestrichen

In Billbrook hatte Försch genug Platz, um seine eigenen Musikinstrumente (Kombinationsinstrumente, Trommel- und Klangwände), zu entwerfen, für die er auch eigene Kompositionen schuf. Im Garten des Musikhauses veranstaltete er Konzerte für Klangkünstler aus aller Welt. So konnten experimentelle Musiker, die selten die Möglichkeit haben, vor Publikum zu spielen, ihre eigenen Klanginstallationen vorführen. Über 70 Konzerte fanden in der Berzeliusstraße statt. Doch dann wurde die Veranstaltungsreihe gestoppt. Die Kulturbehörde strich dem „KlangHaus“ die Zuschüsse. Försch: „Die Planung und Finanzierung der Elbphilharmonie war der Behörde wichtiger als die Unterstützung kleiner kultureller Veranstaltungen.“
Durch eigenes Engagement und Auftritte konnte Försch, der in Würzburg Komposition, Percussion und elektronischen Musik studiert hatte, der aber 1982 mit den traditionellen Musikformen brach, sein „KlangHaus“ über Wasser halten. Doch dann wurde das Gebäude an der Berzeliusstraße verkauft und zu einem Spekulationsobjekt. Nach dem dritten Weiterverkauf stieg die Miete so hoch, dass der Künstler sie nicht mehr aufbringen kann. Politiker, die versprachen, ihm bei der Suche nach einer neuen Unterkunft zu helfen, fanden am Ende doch keinen Rat.

Traum vom Klangzentrum

Dafür sprangen die Hamburger Musiker-Freunde von Ferdinand Försch in die Bresche, allen voran Rocko Schamoni. Die Musiker starteten einen Aufruf über Facebook, um eine neue Bleibe für das „KlangHaus“ zu finden.
Försch: „So fand sich schließlich ein freundlicher Unternehmer, der die Halle in Wandsbek zur Verfügung stellt“. Wie lange er in Wandsbek bleiben kann, ist allerdings noch ungewiss. Försch: „Mein Traum ist es, ein Zentrum für internationale Klangkunst zu gründen.“ Falls sich das in Hamburg nicht verwirklichen lässt, möchte er diesen Plan in Mecklenburg Vorpommern oder in Brandenburg in die Tat umsetzen.
Vorerst aber ist der Künstler mit dem Hamburger Thalia Theater auf Tournee. Als Bühnenmusiker reist er mit der Produktion „FRONT“ durch mehrere Staaten in Europa. Das Stück ist eine Theaterfassung des Romans „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque. (je)
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