„Hamburg bereit für Paralympics“

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Holger Glinicki trainiert die Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft der Frauen Foto: Witters

Rollstuhlbasketball-Bundestrainer Holger Glinicki überzeugt von Begeisterungsfähigkeit Hamburgs

Von Frank Heike
Wandsbek
Wie die Medien ticken, weiß Holger Glinicki seit den goldenen Tagen von London besser als manch anderer. Natürlich hatte „seine“ Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft der Frauen in einem packenden olympischen Finale die Australierinnen geschlagen. Natürlich gab es Zeitungs- und Fernsehberichte über diese Krönung im September 2012. Aber so richtig bekannt wurde Glinicki einem größeren Publikum erst, als er sein Versprechen vom Vortag wahr machte – und in die Themse sprang. Ein Fernsehteam hatte damals die Frage eines deutschen Funktionärs und Glinickis Antwort mitgeschnitten: „Wenn wir Gold holen, springe ich in die Themse.“ Holger Glinicki hielt Wort. Und sorgte mit seinem Satz in die Fluten für eines der bekanntesten Bilder der Paralympics 2012. „Zum Glück schien die Sonne und das Wasser war nicht so kalt“, sagt er.
Glinicki sitzt seit einem Motorrad-Unfall Anfang der 70er Jahre im Rollstuhl. Zu beklagen gebe es daran nichts mehr, sagt der in sich ruhende, sympathische Mann. Es ist wie es ist – und wenn man etwas versprochen hat, dann hält man es. „Ich hätte mir aber schon gewünscht, dass etwas mehr über das Spiel und seine Folgen, weniger über mich berichtet wird“, sagt er lächelnd.

Als Aktiver in Seoul


Als Rollstuhlbasketballer ist Glinicki viel herumgekommen. Die Spiele 1988 in Seoul erlebte er als Aktiver; danach wechselte er ab 2004 an die Seitenlinie. Erst als Assistent, dann ab 2008 als Cheftrainer der Deutschen. Glinicki sagt: „Natürlich war 2012 ein Höhepunkt. Allein schon wegen der Begeisterung in der Stadt für die Paralympics.“ Die Halle war ausverkauft, wenn die Rolli-Fahrer den roten Basketball warfen. „Es waren keine Unterschiede zwischen Olympischen und Paralympischen Spielen zu erkennen“, sagt der 62 Jahre alte Glinicki. Diese Begeisterung traut er auch seiner Heimatstadt zu. Als Bundesliga-Trainer der BG Baskets und zuvor des HSV kennt er die Spielstätten in Wandsbek, Wilhelmsburg und Neugraben wie kein anderer. Gerade die alte Trainingshalle in Wandsbek hat es dem Angestellten der Hamburger Umweltbehörde angetan: „Hier hat alles angefangen“, sagt er und staunt manchmal, wie gut sich „sein“ Sport in Hamburg entwickelt hat. Mit der Blumenhalle in Wilhelmsburg haben die Baskets nun sogar eine moderne Heimspielhalle. Längst ist Rollstuhlbasketball Hamburger Stützpunktsport. Als Glinicki 2005 hier als Coach anfing, steckte alles noch in den Kinderschuhen.

Tolles Konzept


Sollte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) Hamburg am 21. März zur deutschen Bewerberstadt ernennen, hielte Glinicki dies für eine gute Wahl. „Ich finde das wassernahe und citynahe Konzept toll“, sagt der „Hamburger Trainer des Jahres 2013“ und fügt an: „Ich glaube, Hamburg wäre bereit für Paralympics.“
Dass die Hamburger Olympiaplaner Rollstuhlbasketball als paralympische Kernsportart in der noch zu bauenden Olympiahalle auf dem zentralen Olympiagelände am Kleinen Grasbrook verorten, zeigt Glinicki, welche Wertschätzung sein Sport inzwischen erfährt.
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