Hamburg: Der „Stadtrandritter“ von Jenfeld

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Nils Mohl mit dem Jenfeld-Roman„Stadtrandritter“Foto: je

Jugendbuchautor Nils Mohl ist im Stadtteil verwurzelt – und auch seine Geschichten spielen hier

Von Martin Jenssen
Hamburg. Als er ein kleiner Junge war, galt Jenfeld als „Platz der großen Hoffnung“. Die Familie wohnte am Gleiwitzer Bogen. „Es war sehr fortschrittlich. Wir hatten fließend warmes Wasser“, sagt Nils Mohl (42), ausgezeichneter Jugendbuchautor.
Rückblickend auf seine Kindheit kann der Schriftsteller wenig Negatives über den Stadtteil berichten, der Politikern heute als „sozialer Brennpunkt“ gilt. „Ich hatte eine fantastische Jugend“, erinnert er sich. „Es gab in Jenfeld viele Kinder. An jeder Ecke fand man eine Gruppe, mit der man Fußball oder Tischtennis spielen konnte!“ Mit den engsten Kumpels fuhr er jeden Morgen zum Gymnasium nach Marienthal. Mohl: „Wir waren eine verschworene Gemeinschaft.“
Je älter Nils Mohl wurde, um so mehr veränderte sich der Stadtteil. Immer mehr Familien mit Kindern verließen Jenfeld. Immer mehr soziale Problemgruppen zogen dorthin. „Jenfeld – ein Stadtteil ohne Zukunft“, titelte das Hamburger Abendblatt. Den jungen Menschen war das egal. „Wir hatten ein wunderbares Umfeld“, sagt Nils Mohl. „Großartig war zum Beispiel die Nähe zum Öjendorfer Park.“
Verliebt in Jenfeld
Auch seine erste Liebe erlebt er in Jenfeld. Die Auserwählte wohnt in einer Kleingartensiedlung am Rande des Öjendorfer Sees. Es kribbelte, wenn er die Holde abends durch ein kleines Waldgebiet nach Hause brachte. Und es war gruselig, wenn er allein zurück musste.
All das spielt eine Rolle in den Jugendromanen von Nils Mohl, der nach dem Studium in Kiel, Tübingen und Berlin nach Jenfeld zurückgekehrt ist. Mit seiner Familie wohnt er in einer ehemaligen Siedlung für Mitarbeiter der Bahn.
Vielfach ausgezeichnete Jugendromane
Heute erleben seine Kinder Abenteuer in Jenfeld. Seine Jugend hat Nils Mohl in großartigen Jugendromanen verarbeitet. „Der Stadtteil hat dafür Modell gestanden“, sagt der Schriftsteller. Für den Roman „Es war einmal Indianerland“ heimste er alle großen deutschen Jugendliteraturpreise ein: den Deutschen Jugendliteraturpreis, den Oldenburger Jugendbuchpreis sowie das Kranichsteiner Literatur-Stipendium. Zum ersten Mal, dass ein Roman gleich mit drei so bedeutenden Preisen ausgezeichnet wurde.
Nach „Indianerland“ kam vor drei Monaten der zweite Jugendroman von Nils Mohl in die Buchhandlungen: „Stadtrandritter“ (Rowohlt, 12.99 Euro). Um die Jenfeld-Triologie komplett zu machen, soll im Herbst 2015 das dritte Buch dieser Reihe erscheinen. Der Titel: „Astronauten“. In den Büchern von Nils Mohl geht es um das „Erwachsenwerden“. Ein Thema, das nicht nur die Jugend angeht. „Es beschäftigt einen das ganze Leben“, sagt der Autor. „Dazu gehört auch, wenn ältere Menschen auf das eigene Leben zurückblicken.“ In dem Roman „Stadtrandritter“ berichtet er in moderner Sprache und Erzähltechnik über eine junge Liebe mit ihren ganzen Qualen. Es geht um Feste mit Alkohol und Drogen, angesiedelt um mittelalterliche Ritterspiele im Öjendorfer Park. Es geht um Religion und Philosophie und immer wieder um neue Fragen, die nie ganz beantwortet werden können. „Glaubst du nicht?“ ist die letzte Frage des Romans.Nicht nur auf die Romanfiguren, auch auf den Schriftsteller warten in Jenfeld immer wieder neue Herausforderungen. Er beabsichtigt in Kürze seinen festen Beruf als Werbetexter aufzugeben, um ganz als freier Autor zu arbeiten, wohl wissend, dass es nicht leicht sein wird, vom dem Verkauf der Bücher eine Familie zu ernähren.
Lesung im Jenfeld Haus
Aber die Belastung, zwei Berufe auszuüben, ist auf Dauer nicht zu schaffen. Der mit vielen Preisen bedachte Schriftsteller ist in Jenfeld nicht berühmt und kaum bekannt. Er kann durch die Straßen gehen, ohne oft angesprochen zu werden. Das ist ihm sehr recht. „Preise sind etwas, auf das man Stolz sein kann, aber es nichts, um anzugeben“, sagt er. Der Schriftsteler, der bereits in Paris, in Stockholm und in New York gelesen hat, wird demnächst auch in Jenfeld seine erste Lesung halten.

Montag, 24. März, 19 Uhr im Jenfeld-Haus, Charlottenburger Straße 1
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