Hamburg: „Der Star ist das Kind“

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Fabian (links) musste schon zum zweiten Mal an der Hüfte operiert werden. Der Siebenjährige hat mächtig Spaß an dem Clown-Auftritt. Zum Abschied bekommt er die rote Nase geschenkt Foto: Grewe

Verein Klinik-Clowns schickt ein bisschen Heiterkeit – auch nach Eilbek

Hamburg. Ganz sanft kitzeln die Seifenblasen von Clown Erico die Kinderhand. Ein Lächeln huscht über das Gesicht von Sebastian (16). Sehen kann er die Seifenblasen nicht, denn er ist blind. Aber der Junge auf der Kinderorthopädie der Schön Klinik in Eilbek spürt die ganz besondere Atmosphäre, die Clown Erico und seine Partnerin Brezel verbreiten. Der Junge gehört zu den 20 Kindern, die teils motorisch schwer beeinträchtigt, regelmäßig Besuch von den Klinik-Clowns bekommen. Ein Sonnenschein im sonst so tristen Klinik-Alltag sind die beiden Clowns. Wenn sie sich gegenseitig die Bälle zuspielen, mal einen Ballon aus dem Hut zaubern, ihre Musikinstrumente anstimmen, ihre schelmische Spiele machen oder gar das Lied vom „Bi-Ba-Butzemann“ singen, dann strahlen die Kleinen.
Was so spaßig aussieht, haben die beiden Komiker stundenlang trainiert. Erico und Brezel sind ausgebildete Profi-Clowns, treten seit vier Jahren als Duo auf. Eine halbe Stunde dauert es, bis aus Henriette Hansen „Brezel“ und aus Erich Hauptmann „Erico“ wird.

Komik will gelernt sein

Hübsch kostümiert haben sie sich: Mit Ringelshirt, sie mit Zöpfen und Blume im Haar, er mit Hut und typischer Clowns-Hose. Und natürlich darf die rote Clownsnase nicht fehlen. Beide sind Mitglieder im Verein Klinik-Clowns Hamburg e.V., der seit 2003 regelmäßig Clowns in Hamburger Kliniken schickt, seit zwei Monaten auch die Schön Klinik in Eilbek. Die Initiative dazu ging von Chefarzt Dr. Sebastian Senst aus, der im Oktober vergangenen Jahres die Kinderorthopädie in der Schön Klinik aufbaute. Er hatte bereits bei seinem vorherigen Job in Arnstadt/Thüringen positive Erfahrungen mit den Klinik-Clowns gemacht, die es bundesweit gibt. „Die Kinder kommen auf andere Gedanken, wenn sie hier liegen.
„Die Arbeit der Clowns ist eine wichtige Ergänzung medizinischer und pflegerischer Maßnahmen, denn Lachen ist gesund“, sagt der Mediziner. Das ist inzwischen auch wissenschaftlich belegt: Lachen hat positive, gesundheitsfördernde Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System, und einen Anstieg des Endorphinspiegels („Glückshormone“). Ferner wird der Muskelapparat stimuliert und es können sich Verspannungen lösen – so lachen sich die Kinder förmlich schlapp und entspannen.

Lachen ist gesund

„Egal, ob wir ein Tuch aus dem Hut zaubern, mit unseren Luftballons spielen, Seifenblasen erzeugen oder einfach die Tollpatschigen mimen, wir bringen Lachen in den sterilen Klinikraum. Das aktiviert die Selbstheilungskräfte“, sagt Erich Hauptmann. „Der Star ist bei unseren Auftritten immer das Kind“. Diese Professionalität will erlernt sein. Henriette Hansen besuchte eine staatlich anerkannte Clownschule, und sie macht heute, wie Erico, auch noch regelmäßig Fortbildungen. „Ganz wichtig für den Beruf ist aber Einfühlungsvermögen. Man muss sich blitzschnell auf jedes Kind wieder neu einstellen.“

Idee stammt aus Amerika

Die Idee des Klinik-Clowns stammt übrigens von der Amerikanerin Laura Fernandez, die seit 1997 Coach und Lehrer für Krankenhaus-Clowning ist.
Die Hamburger Klinik-Clowns erhielten kürzlich für ihre kompetente Arbeit den Hauptgewinn des diesjährigen Hanse-Merkur-Preises für Kinderschutz im Wert von 20.000 Euro. Ein warmer Geldregen für das spendenfinanzierte Angebot, über den sich die Klinik-Clowns und Vorstandsmitglied Kathrin Schnelle sehr gefreut haben. (eg)

Weitere Infos: klinik-clowns-hamburg.de
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