Hamburg: Die Au schmerzt

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Die Berner Au fließt durch zahlreiche Gärten, die jetzt nicht mehr verändert werden dürfen

230 Einwendungen gegen Überschwemmungsgebiete

Von Rainer Glitz
Hamburg. „Das ist ein sehr aufgeladenes Thema, heute werden wir alle Fragen beantworten“, begrüßt Volker Dumann, Sprecher der Umweltbehörde, die versammelte Presse. Sage und schreibe zehn Experten hat die Behörde aufgeboten. Es gehe nicht um Starkregen und auch nicht um gezielt angelegte Polder, erklärt Wolfgang Meier, Wasserwirtschaftsexperte im Amt für Umweltschutz. Überschwemmungsgebiete (ÜSG) seien Flächen, die bei Hochwasser von den Gewässern ausgehend überflutet werden. Sechs ÜSG bestehen in Hamburg seit Jahrzehnten, zehn neue kommen nun dazu, darunter auch die Berner Au im Bereich Sasel und Farmsen-Berne.

500 Grundstücke sind betroffen

Insgesamt werden diese Flächen 11,7 Quadratkilometer groß sein, 500 Häuser sind in den neu ausgewiesenen ÜSG betroffen. „Wir können die Aufregung der Eigentümer gut nachvollziehen“, sagt Experte Meier. Es gehe darum, Hochwasserschäden zu vermeiden. „Es ist keine Enteignung, für die Häuser in den ÜSG besteht Bestandsschutz“, so Meier. Bauliche Veränderungen seien durchaus möglich, müssten aber von den Bezirken genehmigt werden. Ebenso kann etwa nach einem Feuer neu gebaut werden, das Haus darf dann aber nicht größer sein als das alte. Wer eine Garage oder ein Gartenhaus bauen möchte, muss Ausgleichsflächen vorschlagen. Möglich ist eine Entsiegelung von Flächen, Abgraben des Geländes oder ein Neubau auf Stelzen.
Etwa 230 Einwendungen von Eigentümern sind bislang in der Umweltbehörde angekommen. Alle würden geprüft, versprechen die Behördenvertreter. Allerdings: Die Überschwemmungsgebiete als solche blieben, es könne nur um Details gehen. „Da lässt uns die zugrundeliegende EU-Richtlinie leider keinen Spielraum“, sagt BSU-Sprecher Volker Dumann. Sielsysteme brächten gar nichts, so Wasserwirtschaftsexperte Meier: „Die sind auf Regenereignisse ausgelegt, die statistisch alle 30 Jahre vorkommen. Wir reden über Wetterereignisse, die alle 100 Jahre vorkommen.“ Noch sei unklar, ob die betroffenen Grundstücke wirklich an Wert verlieren. Auch die Kritik der Anwohner an der Informationspolitik weist die BSU zurück. „Wir haben im Frühjahr eine Runde durch die Bezirke gemacht, über den Beschluss des Senats wurde im Juni groß berichtet“, sagt Volker Dumann. Allerdings seien nicht alle erreicht worden, vor allem an der Berner Au. Deshalb wird es am Dienstag, 7. Oktober, 19 Uhr im Wandsbeker Bürgersaal, Am Alten Posthaus 4, eine weitere Veranstaltung geben, ein Infoblatt über die ÜSG ist in Arbeit.
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