Hamburg: „Einmal sein wie Lady Gaga“

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Professor Dr. Hans-Peter Erb im Eingangsbereich der Universität, vor der Büste des Namensgebers Foto: Jenssen

Besuch in der Bundeswehr-Uni bei Psychologie-Dozent Hans-Peter Erb

Von Martin Jenssen
Hamburg. Studierende, die bei Prof. Dr. Hans-Peter Erb eingeschrieben sind, haben bei Abschluss ihres Studiums in Psychologie (Bachelor und Master of Science) nicht nur gute berufliche Chancen in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens und in der Wirtschaft, sie sollten auch gefeit sein gegen die Verführungskünste von Werbestrategen. An der Helmut-Schmidt-Universität in Jenfeld lernen sie, wie sie bei kniffeligen Fragen und Fällen treffsichere Urteile fällen und eigene Entscheidungen treffen, selbst wenn eine Mehrheit anderer Meinung ist.
„Gruppenzwang kann hochintelligente Personen so beeinflussen und verunsichern, dass sie falsche Aussagen als richtig bewerten“, so Erb in seiner Vorlesung.
In seinen Veranstaltungen präsentiert Erb zahlreiche Beispiele, wie Menschen von Vertretern, Politikern und der Werbung beeinflusst werden und mit welchen Tricks dabei gearbeitet wird. Neun junge Männer und fünf junge Frauen besuchen die Veranstaltung. Sie unterbrechen den geschliffenen Vortrag des Professors durch Fragen und Einwürfe.
Das alles nur ein kleiner Schnipsel aus dem gewaltigen Programm für Psychologie, das an der Bundeswehruniversität gelehrt wird. Die Uni wurde nach Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt benannt. Der frühere Bundeskanzler setzte sich für die Errichtung der Bundeswehruniversitäten in Hamburg und München ein. Der Kanzler wollte gut geschulte Soldaten in den höheren Laufbahnen. Die Bürger in Uniform sollen in der Lage sein, Situationen zu beurteilen und eigenständige Entscheidungen zu treffen.
Die Universität in Jenfeld ist hervorragend ausgestattet mit technischen Geräten und umfangreichen Bibliotheken. Sie hat international einen ausgezeichneten Ruf.
Prof. Dr. Hans-Peter Erb, der dem Wochenblatt die Gelegenheit gab, ihn einige Stunden an der Universität zu begleiten, kam 2007 nach Hamburg. Mit seiner Familie, Ehefrau und zwei Töchter, wohnt er in Lütjensee. Der Pfälzer, geboren 1958 in Frankenthal, hatte zuvor unter anderem an den Universitäten in Maryland (USA), Bonn, Magdeburg und Chemnitz gelehrt.
Prof. Erb und seine Assistentinnen forschen auf mehreren Gebieten der Psychologie. Dazu gehört das von der EU geförderte Projekt: „Wie lernen Menschen aus der Geschichte“. Dabei wird u.a. der Vietnamkrieg unter die Lupe genommen. Weitere Forschungsthemen sind das „Mitläufertum“ und die Individualisierung („das Bedürfnis, anders zu sein“). In dem Zusammenhang veröffentlichte Erb zusammen mit seiner Ehefrau Dr. Susanne Gebert einen Aufsatz über die „Lady Gaga in uns allen“. Behandelt wird darin das Bedürfnis nach Einzigartigkeit. Erb: „Viele Menschen wünschen sich, einmal aus der Masse herauszuragen. Sie möchten einmal sein wie Lady Gaga.“ Professor zu sein, sei auch ein wunderbarer Beruf, sagt Hans-Peter Erb, „aber ganz sicher keiner, in dem man sich Müßiggang leisten kann.“(je)

Daten und Fakten zur Helmut-Schmidt-Universität:
Die Helmut-Schmidt-Universität besteht aus vier Fakultäten: Elektrotechnik (sechs Studiengänge), Geistes- und Sozialwissenschaften (drei Studiengänge), Maschinenbau (fünf Studiengänge) sowie Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (fünf Studiengänge). An der Universität der Bundeswehr studieren 2.475 Studenten (Frauenanteil 13,8 Prozent). Im Oktober 2012 hatte die Universität 776 Mitarbeiter/innen. Im Jahr 2012 betrugen die Ausgaben für die Universität über 54 Millionen Euro.
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