Hamburg: „Hände weg von der Wiese“

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Für die Anwohner am Zikadenweg und rund um die Märchensiedlung hat das Gebiet einen hohen Freizeitwert Fotos: wb

Asylpläne im Landschaftsschutzgebiet: Anwohner protestieren gegen Senatspolitik

Marienthal In Marienthal regt sich Protest. Gegen die geplante temporäre Außenstelle für die Zentrale Erstaufnahme (ZEA) für etwa 330 Flüchtlinge. Weil diese auf einer Wiese mitten in einem Landschaftsschutzgebiet errichtet werden soll. Weil die Anwohner von den Senatsplänen aus der Zeitung erfahren haben. Weil der Senat mit „Polizeimaßnahmen Bürgerrechte und Gesetze ignoriert“. Die Anwohner haben sich zu einer Initiative zusammengeschlossen, eine Homepage eingerichtet und Flugblätter verteilt, um weitere Mitstreiter zu mobilisieren.

Fakten geschaffen

„Hier wird ein schönes Stück Natur zerstört“, sagt Ini-Sprecher Christian Reich. Die Wiese, um die es geht, liegt am Zikadenweg, wo Christian Reich mit seiner Frau und den Kindern wohnt. Die Wiese hat Naherholungswert für die Anwohner, wilde Brombeeren wachsen dort, die Kinder aus der ganzen Nachbarschaft spielen liebend gerne auf der Naturfläche. Ab November sollen dort Container aufgestellt werden und für ankommende Flüchtlinge als Erstaufnahmequartier dienen. Der Standort im Marienthal ist eine von fünf Notunterkünften, die die Behörde auf Basis des Polizeirechts kurzfristig errichten kann. Die mögliche Anwendung des § 3 SOG hatte die Senatskommission Mitte September beschlossen.
Für die Bürger rund um den Zikadenweg war das der Stein des Anstoßes. „Das SOG Polizeigesetz wird also genutzt, um unwiderrufliche Fakten
zu schaffen, für die sämtliche demokratische Rechtsmittel ausgeschlossen werden“, sagt Ini-Mitglied Dirk Meyer. Warum hat man uns nicht vorab über die Pläne informiert? Auch diese Frage veranlasste die Anwohner, die Initiative
zu ergreifen. Christian Reich und weitere Anwohner wurden zum Gespräch mit dem Bezirksamtsleiter und einer Behördenvertreterin geladen. „Im Ergebnis ist es sehr ernüchternd“, sagt Reich. Denn auf die Fragen, die die Anwohner umtreibt, habe es keine Antworten gegeben. Reich: „Man konnte uns weder sagen, wie lange die Container dort stehen bleiben werden, noch ob es grundsätzlich mittel- oder langfristige Pläne zum Rückbau des Schutzgebietes geben würde.“ Für die Mitglieder der Bürgerinitiative steht fest: „Eine planlos handelnde Staatsmacht schafft Fakten und zerstört die wenigen Restbestände von Natur in der Großstadt. Wir müssen alle Möglichkeiten nutzen, diese Ressourcen unserer Stadt zu schützen.“ (wb)
www.naturschutz-marienthal.de
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