Hamburg: „Kirche muss das Herz ansprechen“

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Pastorin Jutta Jungnickel vor dem Altar der Friedenskirche in Eilbek Fotos: Jenssen
 
Pastor Thies Hagge vor dem Räumen der Arche in Jenfeld. Rund 100 Kinder und Jugendliche bekommen dort an jedem Wochentag ein warmes Essen

Mit modernen, fröhlichen Gottesdiensten und Zeit gegen die Austrittswelle

Von Martin Jenssen
Hamburg. Die Zahl der Kirchenaustritte nach der Affäre um den Limburger Bischof Tebartz-van Elst ist „dramatisch!“ So sehen es die Oberhäupter der Kirchen in Deutschland. Nicht nur die katholische Kirche wird von einer Welle der Kirchenaustritte überhäuft, auch die evangelische Kirche ist betroffen. Anfang November lag die Zahl der Kirchenaustritte in ganz Hamburg für das Jahr 2013 bei rund 8000. In Wandsbek hatten bis zu diesem Zeitpunkt 1807 Mitglieder den beiden Konfessionen Ade gesagt. Das sind rund 70 Austritte mehr als im vergangenen Jahr zu diesem Zeitpunkt.
Bitter für die Pastoren der Wandsbeker Kirchengemeinden. Sie möchten mit interessanten Gottesdiensten möglichst viele Besucher in ihren Kirchen begrüßen. Außerdem bieten sie eine Fülle von Veranstaltungen an, um junge und alte Menschen an die Kirche zu binden.
Im Problemstadtteil Jenfeld ist das gut gelungen. Viele Menschen aus zahlreichen Nationen neben am aktiven „Leben“ in der Kirche teil. Die Gottesdienste sind immer gut besucht – zwischen 100 und 200 Besucher jeden Sonntag. Die Besucher bleiben auch nach dem Gottesdienst noch für eine Weile zusammen. Sie plaudern miteinander, um sich besser kennenzulernen.
„Die Kirche muss das Herz ansprechen“, sagt Pastor Thies Hagge. „Wir müssen zurückkehren zu unserem Kerngeschäft: Gott! Unsere Aufgabe ist es, den Menschen das Beten beizubringen.“
Predigten sollten nicht zu „verkopft“ sein, so der Pastor aus Jenfeld. Die Besucher der Gottesdienste wollen seiner Meinung nach nicht die neusten Nachrichten hören, sondern eine Beziehung zu Gott aufbauen. Hagge: „Wir müssen zurück zu den Fundamenten des christlichen Glaubens!“
Dennoch sollen die Gottesdienste modern und fröhlich gestaltet werden. Die oft düstere Orgelmusik sollte nicht im Vordergrund stehen. Thies Hagge: „Nur zwei Prozent der Deutschen mögen Orgelmusik! Trotzdem haben wir natürlich noch eine Orgel in unserer Kirche“ Die Gottesdienste in der Friedenskirche in Jenfeld werden auch von einem sehr lebendigen Chor und einer Band begleitet.

Gutes tun

„Es sollten nicht nur die Skandale der Kirche von den Medien verbreitet werden, es sollte häufiger darüber berichtet werden, was die Kirche Gutes tut“, findet Jutta Jungnickel, Pastorin an der Friedenskirche in Eilbek. Das würde die Austrittswelle stoppen und gleichzeitig zu Wiedereintritten in die Kirche führen. Jungnickel: „Was das Gute angeht, da haben wir ganz viel vorzuweisen!“
Es sind vor allem die vielen Einzelgespräche, die Gutes bewirken, ob es nun um die Vorbereitung einer Trauung geht oder um Trost nach einen Trauerfall. „Wir nehmen uns da immer sehr viel Zeit“, sagt Jutta Jungnickel.
Ganz besonders kümmert sich die Friedenskirche in Eilbek um einsame ältere Menschen. Mitarbeiter der Kirche haben dafür das Programm „Leben im Alter“ entwickelt. Angesprochen werden Menschen ab 50 Jahre. „Kommt runter vom Sofa!“ heißt es da. Eingeladen werden die oft einsamen Menschen zu Theaterbesuchen, Ausflügen, Vorträgen, Spielnachmittagen und Diskussionsrunden.
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