Hamburg: Lärm als Problem

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Seit fünf Wochen leben Flüchtlinge in diesen Containern an der Rahlstedter Straße Fotos: Glitz

Anwohner klagen: Flüchtlingskinder zu laut. Runder Tisch bietet Hilfe an

Von Rainer Glitz
Hamburg. „Das ist das beste, was man mit Containern machen kann“, sagt Martin Leo von Fördern und Wohnen. Er nimmt die neue Flüchtlingsunterkunft im Rahlstedter Weg 8 zum ersten Mal selbst in Augenschein. Fünf orange-gelbe Häuser sind auf der Fläche entstanden. Es gibt einen kleinen Spielplatz und Sitzgelegenheiten, die Wege sind gepflastert, Rasen wurde angepflanzt. Alles wirkt sehr gepflegt. 18 Großfamilien mit sechs bis neun Personen können hier untergebracht werden. Die Drei-Zimmer-Wohnungen haben alle eigene Küchen, Bad und WC. „Alle bis auf eine sind belegt“, sagt Maren Oehmichen, Leiterin der Einrichtung. Zwei Drittel der Flüchtlinge stammen aus Syrien, dazu kommen Afghanen, Mazedonier, Türken und Serben.
„Das Miteinander der Bewohner gefällt mir gut“, lautet Oehmichens erstes Fazit nach fünf Wochen in Rahlstedt. Allerdings habe es auch schon Beschwerden von Anwohnern wegen Lärmbelästigung gegeben. Konkret sei es um das abendliche gemeinsame Essen im Freien im Fastenmonat Ramadan und zu laute Gebete gegangen. Auch Kinderlärm ist offenbar ein Problem. „Hier leben 62 Kinder, und die haben keinen Platz zum Austoben“, bedauert die Leiterin der Einrichtung. Auf einem privaten Spielplatz in der Nähe seien sie sogar schon beschimpft worden.
Rund ein Dutzend Anwohner, die sich beim Runden Tisch für die Flüchtlinge engagieren, sind heute gekommen und beginnen sofort zu diskutieren. Der Zugang zu Spielplätzen müsse geklärt werden, zur Not müssten die Kinder begleitet werden, so ein Vorschlag. Wie wäre es, die Anwohner zu einem Besuch einzuladen, um ins Gespräch zu kommen? Vielleicht wäre ein Sommerfest sinnvoll, lautet ein anderer Vorschlag.
„Bei uns sind die Kinder gern gesehen“, sagt Enrico Lange vom Bauspielplatz Rahlstedt-Ost im Kittelweg. Dort gebe es 2.200 Quadratmeter Platz und viel Spielgerät. Doch wie sollen die Flüchtlingskinder, die gerade erst in der Großstadt angekommen sind, dort hingebracht werden? Lange schlägt vor, einen Rahlstedter Taxiunternehmer anzusprechen. Dieser könnte einen Shuttleservice gegen eine Spendenbescheinigung einrichten. „Ich danke Ihnen allen für Ihre Unterstützung, das brauchen wir“, sagt Martin Leo.  Die Lage in Hamburg sei dramatisch, es fehlten aktuell Plätze für 1.600 Flüchtlinge. 30 weitere Unterbringungen seien in Planung. Der Standort Rahl-stedt ist zunächst für fünf Jahre fest eingeplant.
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