Hamburg: Mann das Leben gerettet

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Mario Schmidt (l.) und sein Lebensretter Karsten Dinse Fotos: Glitz

Radfahrer erlitt Herzstillstand. Anwohner half mit Defibrillator

Von Rainer Glitz
Meiendorf. Es war ein normaler Donnerstag, 6 Uhr 50. Wie jeden Morgen öffnete Karsten Dinse seine Jalousie vor dem Schlafzimmerfenster und schaute auf die Ringstraße. „Nach drei Sekunden war mir klar: Irgendetwas ist anders als sonst“, erzählt der 56-Jährige. In der Tat: Auf der Straße, direkt vor dem Haus, lag ein Radfahrer leblos am Boden. Eine Autofahrerin hatte gehalten und telefonierte bereits mit der Feuerwehr. Dinse zog sich schnell an und rannte nach unten. „Ich dachte zuerst, das sieht aus wie ein epileptischer Anfall“, so der Heilpraktiker. Doch bald war klar: Der Radfahrer atmete nicht mehr und hatte auch keinen Puls. Herzstillstand.
Glück im Unglück für den Maler Mario Schmidt: Karsten Dinse hat in seiner Praxis einen Notfallrucksack deponiert, darin ist ein Defibrillator. Während ein anderer Nachbar mit der Herzmassage begann, brachte Dinses Frau das lebensrettende Gerät. „Ich habe die Elektroden auf den Brustkorb geklebt und den Defibrillator eingeschaltet“, berichtet Karten Dinse. Das automatische und „sprechende“ Gerät habe ein EKG gemacht und dann gesagt „Schock empfohlen“. Beide Helfer hielten einen Sicherheitsabstand und eine Spannung von 1.750 Volt floss für Millisekunden durch den Brustkorb des zusammengebrochenen Malers. Es folgten weitere Herzmassage und ein zweiter Schock. „Dann schlug das Herz wieder, und wir konnten das Martinshorn des Rettungswagens hören“, erzählt der Heilpraktiker, der früher als Rettungsassistent gearbeitet hat. Mario Schmidt wurde vom Notarzt weiterversorgt und ins Amalie-Sieveking-Krankenhaus gebracht.
Mittlerweile geht es dem 46-Jährigen aus Farmsen wieder gut, er hat einen Herzschrittmacher bekommen. „Ich kann mich an nichts mehr erinnern, ich bin erst im Krankenhaus wieder zu mir gekommen“, berichtet Mario Schmidt. Das war drei Tage nach dem Herzstillstand. Wie es dazu kam, ist trotz umfangreicher Untersuchungen unklar. Schmidt ist ein sportlicher Typ, der viel Fahrrad fährt. „Ich bin dankbar für die Rettung und freue mich über das, was ich habe“, sagt er.
„Mit einem solchen Gerät kann jeder Leben retten, es kostet unter 1.000 Euro“, sagt Heilpraktiker Dinse. Ein Defibrillator gehört nach seiner Meinung in jeden Betrieb, jeden Sportverein und jede Praxis. „Optimal wäre ein Gerät in allen Taxis, Bussen oder auch Wagen der Müllabfuhr“, findet Dinse. Als Auszeichnung für die Lebensrettung bekommt er von der Herstellerfirma Ende Mai im bayerischen Friedberg einen fabrikneuen Defibrillator.
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