Hamburg: Mattenweise Abbruch leise

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Eilbeks höchste Baustelle liegt in rund 30 Metern Höhe auf dem Dach des Luftschutzbunkers an der Wielandstraße. Ein Schwerlastkran hatte die beiden 32 Tonnen schweren Bagger nach oben gehievtFoto:mt
 

Bunker in Eilbek wird „anwohnerschonend“ abgerissen

Von Marco Thielcke

Es wird gebohrt, gehämmert und gesprengt. Der Abriss eines Luftschutzbunkers ist oft dreckig und laut. Um die meterdicken Wände klein zu kriegen ist viel rohe Gewalt nötig – eine Geduldsprobe für die meisten Anwohner. Doch es geht auch anders – wie in der Wielandstraße.

Hamburg. Hoch oben über Eilbeks Dächern stehen zwei 32 Tonnen schwere Bagger auf dem Dach des Luftschutzbunkers an der Wielandstraße und fräsen sich lautstark durch die 2,70 Meter dicke Betondecke. Doch Nachbarn und Passanten bekommen von dem Spektakel über ihren Köpfen kaum etwas mit. Selbst wer direkt vor dem Bunker steht, kann nur ein dumpfes Pochen hören. Grund dafür sind spezielle Lärmschutzmatten, die die rund 30 Meter hohe Baustelle abschirmen. Die schweren Matten werden normalerweise bei Konzerten eingesetzt, doch die Brüder Sperling vom Abbruchunternehmen AVG-Nord GmbH stellten sie kurzerhand auf das Dach des Bunkers. „Einen Bunker abzureißen, muss nicht laut sein“, sagt Marco Sperling, Projektleiter der Baustelle. Er und sein jüngerer Bruder feilten über ein Jahr an dem Plan, den Bunker nicht so schnell wie möglich, sondern so leise wie möglich abzureißen. Um Lärm und Erschütterungen zu reduzieren setzen sie auf Hightech und Spezialwerkzeug. So wurden in den anliegenden Häusern Seismographen aufgestellt, die die Erschütterungen der Bauarbeiten messen. Die empfindlichen Geräte informieren Marco Sperling (33) sofort per SMS, wenn Grenzwerte überschritten werden.
Einen Internetanschluss hat die Baustelle auch. Über eine Webcam auf dem Dach
verfolgt der Bauherr RHH-Wielandtstraße GmbH die Arbeiten auf dem Dach.
Sobald sich die 80.000 Euro teuren Fräsen nicht mehr drehen, kann es schonmal passieren, dass der Eigentümer beim Abbruchunternehmen aus Woltersdorf bei Mölln anruft. Der Eigentümer, die RHH-Wielandstraße GmbH, plant hier bis zu 33 Eigentumswohnungen. Geschäftsführer Eduard Reidel (32) ist von der leisen Abruchmethode überzeugt: „In einem so dichtbesiedelten Gebiet wie hier in Eilbek, muss man mehr Rücksicht nehmen.“ So leise der Abriss jedoch ist, es wird noch voraussichtlich fünf Monate dauern, bis die letzte Ladung Schutt verschwunden ist. Bis dahin wird der Bunker in 750 LKW-Ladungen gefräst, gestemmt und abtransportiert. Mit dem Rohbau wollen die Bauherren im November beginnen. Im Sommer 2016 sollen voraussichtlich die ersten Wohnungen bezugsfertig sein.

Bunkerabriss in Eilbek

Bunkerabriss bleibt in Eilbek ein aktuelles Thema. Am Eilbeker Weg 77 plant das Hamburger Immobilienunternehmen Peters und Peters das nächste Wohnprojekt, dafür muss auch dort ein Luftschutzbunker plattgemacht werden.
Erst im vergangenen Jahr ärgerte ein paar hundert Meter weiter, Eilbeker Weg 126, der Abriss eines Bunkers die Anwohner. Damals wurden sogar Sprengungen durchgeführt, um die schwere Betondecke zu lockern und leichter abzutragen. Anwohner berichteten danach sogar von Rissen in den Wänden.
Und auch die Brüder Sperling haben schon den nächsten Bunker im Blick. Schon im nächsten Jahr sollen ihr Bagger auf dem Bunker in der Börne-
straße stehen und fräsen – auch dann wieder ganz leise. (mt)
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