Hamburg: Törn auf der Schaarhörn

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Auch heute noch der Stolz des Hamburger Senats: Der stählerne Kohlendampfer „Schaarhörn“. Foto: L. Nissle
 
Auf See mit Dampf, zu Hause mit Notebook unterwegs: KapitänStück aus Rahlstedt Foto: Christa Möller

Rahlstedter Kapitän steuert den historischen Dampfer

Von Christa Möller
Hamburg „Das Teuerste bei uns ist die Kohle“, sagt Rainer Stück, Kapitän der „Schaarhörn“. „Eine Tonne kostet über 300 Euro.“ Damit kann das „schönste und letzte kohlenbefeuerte Dampfschiff in Europa eine gute Stunde fahren.“ Für den Betrieb des 41,66 Meter langen und 6,80 Meter breiten Schiffes sorgt der eigens gegründete Verein „Freunde des Dampfschiffs Schaarhörn“. Nachdem Rainer Stück vor 19 Jahren in der Zeitung gelesen hatte, dass das Schiff wieder in Dienst gestellt wird, beschloss er, sich hier zu engagieren. Er ist Kapitän und Steuermann, stellvertretender Vorsitzender sowie für die Crew-Planung zuständig – ehrenamtlich, versteht sich. Die technische Daten: Drei Meter Tiefgang, 232 Bruttoregistertonnen, Antrieb: zwei 412 PSi Dreifach-Expansions-Dampfmaschinen, 186 Quadratmeter Heizfläche.

Exklusiv chartern

Etwa 120 Aktive hat der rund 200 Mitglieder zählende Verein. Der Rahlstedter Rainer Stück, 71, hat das Kommando auf der Brücke der „Schaarhörn“ und fährt ehrenamtlich mit anderen Kapitänen und Besatzungsmitgliedern auf dem Traumschiff. Die weiblichen Mitglieder engagieren sich überwiegend im Service oder in der Kombüse. Aber „darunter sind auch zwei Heizerinnen“, sagt der aktive Senior, dessen Ehefrau Karin schon öfter mitgefahren ist – als Gast. Unterwegs ist der Dampfer von Mai bis Oktober auf so genannten „Traditionsfahrten“, entweder in der klassischen dreistündigen Variante, die Elbe hinab bis Wedel oder „spezial“, etwa durch den Nord-Ostsee-Kanal oder auf der Ostsee. Wer möchte, kann die „Schaarhörn“ exklusiv chartern, Platz ist für bis zu 85 Gäste. Der Jugendstilsalon steht sogar für Hochzeiten zur Verfügung. Vom 24. bis 28. Juli sowie vom 5. bis 7. September dampft die „Schaarhörn“ nach Cuxaven. Jeder Fahrgast kann Maschine, Kesselraum und Brücke während der Fahrt gern besuchen.

Der Kaiser kam nie

Offiziell sollte das Schiff bei Kiellegung ein Peildampfer, also ein Vermessungsschiff werden, denn dafür hatte das Amt für Strom und Hafenbau 1907 bei der Hamburger Bürgerschaft Mittel beantragt. Doch letztendlich lief ein Jahr später ein luxuriöser Zweischraubendampfer vom Stapel, dessen Ausstattung auch in technischer Hinsicht nichts zu wünschen übrig ließ. „Der Senat wollte ein repräsentatives Schiff, um illustre Gäste, vielleicht auch Kaiser Wilhelm, durch den Hafen und zur Kieler Woche zu fahren“, erzählt Kapitän Stück. Aber der kam offenbar nie an Bord. In beiden Weltkriegen war die „Schaarhörn“ als Führungsschiff der Minensuchflotte in Cuxhaven im Einsatz.
Die Augen von Rainer Stück leuchten, wenn er die Innenausstattung „seines“ Dampfer beschreibt: „Und er hat einen herrlichen Salon mit buntem Glasfenster“. Hier wurde einst auch die Beförderung des Dichters Joachim Ringelnatz zum Leutnant begossen. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurden Flüchtlinge aus dem Osten mit der „Schaarhörn“ evakuiert, die bis zu ihrer Ausmusterung 1971 (dann doch) noch im Vermessungsdienst eingesetzt wurde. Danach ging das Schiff nach Schottland. In Maryport entdeckte Joachim Kaiser, der heutige Geschäftsführer der Stiftung Hamburg Maritim, das heruntergekommene Schiff per Zufall viele Jahre später. Auf Initiative der Handelskammer wurde es 1990 nach Hamburg zurückgeholt und fünf Jahre lang auf der Werft des Vereins „Jugend in Arbeit Hamburg“ nach den Originalplänen restauriert. Reeder des stolzen Schiffes ist die 2002 gegründete Stiftung Hamburg Maritim. Im Winter liegt die „Schaarhörn“ im Sandtorhafen/ HafenCity, wo sie gelegentlich am Wochenende besichtigt werden kann. In der kalten Jahreszeit betätigt sich Kapitän Stück gern literarisch: Bei den Ringelnatz-Abenden rezitiert er Gedichte und erzählt aus dem Leben des Dichters. Längst im Ruhestand ist Stück nun wieder auf dem Wasser im Einsatz und bezeichnet sein Hobby als „ziemlich zeitaufwendig“. Dennoch: Nächstes Jahr ist eine Kreuzfahrt nach Norwegen geplant.

schaarhoern.de oder Telefon 040 – 78 08 17 05
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