Hamburg: Von Booten und Blutegeln

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Schwimmende Häuser auf dem Eilbekkanal. Schätzungsweise 80 Hausboote gibt es in Hamburg Fotos: mwb

Stadtteilarchiv Hamm lädt zum geführten Rundgang durch Eilbek ein

Von Mai-Britt Wulf
Hamburg. Warum heißt Eilbek eigentlich Eilbek? Die Namensgebung führt zurück auf einen Bach der Blutegel. Eilbek leitet sich ab aus Ylenbeke. Das plattdeutsche Wort Ylen oder Ihlen heißt Egel, Beke bezeichnet einen Bach.
Was uns heute wunderlich vorkommt, war im 19. Jahrhundert ein pulsierender Geschäftszweig. „Früher konnte man mit Blutegeln noch richtig Geld verdienen“, erzählt Wolfgang Zimmermann vom Stadtteilarchiv Hamm. „An einem Wochenende verdiente man so viel, wie ein Arbeiter im halben Jahr.“ Blutegeln wurden zahlreiche positive Attribute zugeschrieben und für medizinische Behandlungen verwendet. Um 1850 gab es im Gasthof Schinkelkrug an der Horner Landstraße sogar eine Blutegelbörse, die bis nach Moskau mit Egeln handelte.
Wolfgang Zimmermann führt Interessierte auf einem Stadtrundgang durch Eilbek und weckt den Blick für Verborgenes. In einer Straße des Auenviertels weist er auf sogenannte unfreiwillige Denkmäler hin. Das dortige Kopfsteinpflaster und ein wunderschöner Messingzaun waren schon vor 100 Jahren dort, wie er mit einem alten Foto belegt. Auch wenn über 90 Prozent des Stadtteils im 2. Weltkrieg zerstört wurden, sind beim genauen Hinschauen noch solche historischen Überbleibsel vorhanden. Institutionen im Stadtteil, wie die Sporthalle Ritterstraße oder die zahlreichen Bunker sind stumme Zeugen der Vergangenheit, die Zimmermann durch überraschende Geschichten zum Leben erweckt.
Zum Beispiel entstand 1881 bis 1883 ein Neubau des Heiligen-Geist-Hospitals in der Richardstraße, die Institution war zuvor jahrhundertelang in der Altstadt ansässig. Das Hospital war ein Krankenhaus für Reisende und Pflegeheim für Ältere. Den Erläuterungen lauschend fragt sich der Besucher, wie wohl die aufwändig gestaltete Außenfront und die künstlich angelegte Grotte mit Goldfischteich aussahen. 1943 brannte das Hospital ab und 1957 wurde an der gleichen Stelle die Schule Richardstraße errichtet.
Eilbek wurde erstmals 1247 urkundlich erwähnt. Zimmermann zeigt auf einer Karte aus dem Jahre 1790, wie Eilbek damals aussah: Fünf einzelne Häuschen stehen zwischen Acker- und Grünflächen. Baumschulen und Gärtnereien waren dort angesiedelt. Doch mit der Industrialisierung stieg die Bevölkerung sprunghaft an. Nach dem Großen Brand von 1842 flohen viele Hamburger an den Stadtrand in ihre Gartenhütten. 1847 setzte die planmäßige Bebauung ein. 1841 lebten 290 Menschen in dem Quartier, 1900 waren es bereits 30.000 und zehn Jahre später 60.000 Einwohner. Vereinzelte Altbauten, die den Krieg überstanden haben, weisen die damals typische Bebauung auf: hohe mehrgeschossige Bauten. Gegenwärtig zieht Eilbek viele junge Familien an. Auf dem Eilbekkanal schunkeln gemütlich Hausboote und verpassen dem Quartier ein holländisches Flair.

Am Sonntag, 14. September, geht es auf Entdeckungstour durch Eilbeks Süden. Treffpunkt 16 Uhr am östlichen Ausgang S-Bahnhof Landwehr, Nähe der Hasselbrookstraße. 5 Euro
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