Hamburger Politiker Valijani sucht das Gespräch

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Daniel Valijani am Bramfelder Dorfplatz, über dessen mangelnde Pflege häufig geschimpft wird Foto: ba

Der FDP-Kreisvorsitzende von Farmsen, Bramfeld, Berne und Steilshoop ist regelmäßig auf Wochenmärkten unterwegs

Bramfeld/Steilshoop Es ist auffällig: Seit über einem Jahr steht er regelmäßig mit seinem kleinen Infostand entweder auf dem Steilshooper Wochenmarkt oder auf dem Bramfelder Marktplatz: Daniel Valijani, 34 Jahre alt und seit Februar 2015 Kreisvorsitzender der FDP Farmsen-Bramfeld-Berne-Steilshoop. Der rührige Nachwuchspolitiker, dessen Partei noch nicht mal im Bezirksparlament vertreten ist, bedient sich eines sinnigen Wahlspruchs, nämlich eines Zitates von John F. Kennedy: „Einen Vorsprung im Leben hat, wer da anpackt, wo die anderen erst einmal reden.“ Das unterscheidet den Deutsch-Iraner, der 2008 in die FDP eintrat, weil „diese Partei an den Einzelnen glaubt“ und bei den Liberalen keine „Gleichmacherei“ herrsche, augenscheinlich von anderen Kommunalpolitikern. Er stellt sich in den Stadtteilen an die vorderste Front, auf die Straße, will „mit den Menschen ins Gespräch kommen – und das nicht nur kurz vorm Wahlkampf“. Sein Angebot wird angenommen, fast wöchentlich hört sich Valijani, der als Kind seine Wochenenden bei seiner Urgroßmutter in Bramfeld verbrachte, hauptsächlich Klagen der Stadtteilbewohner an: „Sie berichten von Müllproblemen, Verschmutzung des Stadtteils, klagen über Altersarmut, über Langzeitarbeitslosigkeit, ärgern sich über die große Politik.“ Er versuche, Tipps zu geben – etwa, an wen und wohin sich die Leute wenden sollen, um etwas zu verbessern. Dabei sei er sich auch nicht zu schade, selbst mal zum Telefon zu greifen und Missstände beim Bezirksamt anzuzeigen. Auch über ihre Ängste berichten die Menschen – vor Terror und vor Flüchtlingen. Und durchaus über ihre Staats-Verdrossenheit. Valijani punktet nach eigener Aussage mit seinem Migrationshintergrund. Sein Vater stammt aus dem Iran, kam vor über 30 Jahren nach Deutschland, lernte die Sprache und baute sich hier ein Geschäft auf. „Mein Vater ist das beste Beispiel, wie Integration gut funktionieren kann“, sagt der 34-Jährige. Mit der Flüchtlingspolitik der Regierung ist er indes nicht einverstanden. „Wir brauchen ein sinnvolles Einwanderungsgesetz. So wie zum Beispiel in Kanada. Einwanderer haben sich der jeweiligen Kultur anzupassen“, ist sich der eloquente Nachwuchs-Politiker sicher. Auch eine rigidere Gesetzgebung könne nicht schaden, vielen Migranten fehle der Respekt vor Konsequenzen: „Bei uns werden Vergehen doch viel zu lasch geahndet.“
Damit Daniel Valijani das Ohr am Volk haben kann, nimmt sich der Pre-Sales-Manager eines großen Online-Unternehmens extra freie Tage. Denn seine politische Arbeit ist ehrenamtlich. Was treibt ihn an? „Ich versuche natürlich auch, Mitglieder zu werben“, gibt er unumwunden zu. Mit Erfolg: Statt 18 wie vor knapp einem Jahr habe der Kreisverband jetzt schon 32 Mitglieder. Der Liberale ist aber auch schon zufrieden, wenn er Stadtteilbewohnern helfen kann. Und: „Wenn ich zumindest insoweit Überzeugungsarbeit leiste, dass die Menschen nicht aus Protest in die AfD gehen.“ Was Rechtsradikalität angeht ist er nämlich sensibilisiert. Im Jahr 2008 sei eine rechtsradikale Veranstaltung in Bramfeld der Grund für ihn gewesen, sich politisch zu interessieren und zu engagieren: „Demokratisch“, wie er betont, und für ihn persönlich eben am sympathischsten: „Freiheitlich-demokratisch!“ (ba)

Der nächste Infostand findet am Sonnabend, 1. Oktober, 10 Uhr, auf dem Bramfelder Marktplatz statt
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