„Hier ist Tempo 30!“

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Maximilian (4) und Carlotta (2) müssen vor ihrer Haustür ganz besonders aufpassen. Raser gefährden nicht nur die Kinder in der Kielmannseggstraße Foto: ms
 
Gabriela Depmer-Ahner engagiert sich für eine bauliche Lösung des Problems Foto: ms

Anwohner der Kielmannseggstraße wehren sich gegen Raser

Von Mathias Sichting
Marienthal
Elektrische Rasenmäher surren leise in der Ferne, Kinder spielen in den Vorgärten, junge Mütter schieben ihre Kinderwagen durch das aufblühende Wandsbeker Gehölz. In der Kielmannseggstraße scheint noch vieles in Ordnung zu sein.
„Hier ist 30“, ruft ein Nachbar plötzlich erzürnt von seinem Zaun in Richtung eines heranrasenden Autos. Ein lautes Motorengeräusch durchschneidet die Idylle in der Straße. Die Aufforderung zeigt keine Wirkung. Der PKW donnert mit weitaus mehr als den erlaubten 30 km/h über den geflickten Straßenbelag. Autofahrer nutzen die Strecke durch das Wandsbeker Gehölz bis zur Kreuzung Oktaviostraße immer häufiger als Rennstrecke. Zum Ärger der Anwohner in der Tempo-30-Zone. „Es gibt direkt an der Kreuzung zur Rodigallee/ Jüthornstraße ein Tempo-30-Schild. Das sehen die Autofahrer doch aber gar nicht, wenn Sie in unsere Richtung abbiegen, da sie eher auf die Geschäfte links und rechts achten“, weiß Anwohnerin Gabriela Depmer-Ahner. Die Marienthalerin hat sich beim Bezirksamt und dem zuständigen Polizeikommissariat 37 über die Geschwindigkeitsüberschreitungen beschwert. Jetzt die erste greifbare Reaktion: Die Polizei hat auf der „Rennstrecke“ eine mobile Geschwindigkeitsanzeigetafel aufgestellt. Ein Zugeständnis. „Seitdem ist es ein wenig besser geworden. Der elektronische Zeigefinger scheint zu wirken. Leider steht das Gerät wohl nur für ein paar Wochen hier“, so die 59-Jährige. Außer ihr machen sich gleich mehrere Anwohner für eine Verkehrsberuhigung in der Kielmannseggstraße stark. Das Ehepaar Gunda und Manfred Mertens wohnt seit 25 Jahren in der Straße und hat konkrete Beobachtungen gemacht. „Der Lebens- und Wohnwert der Straße hat sich in den letzten Jahren enorm verschlechtert. Die meisten Raser biegen vom Gehölz kommend nach links Richtung Siedlung und Bundeswehrkaserne ab. Dort geht es zwar auch in andere Stadtteile, aber auffällig ist das schon. Gerade auf den Achsen wird sehr schnell gefahren. Das ist für Kinder und ältere Menschen enorm gefährlich. Die Fahrzeuge bremsen an der Kreuzung zur Oktaviostraße kurz ab und geben dann wieder kräftig Gas“, hat das Ehepaar beobachtet.
Ziel der Anwohner ist es, die Straße zu beruhigen. Um den Verkehrsrowdies die Möglichkeit zum Rasen zu nehmen, wäre die Installation von Pflanzkübeln, Schwellen oder einer fest verbauten Verkehrsmessungsanlage denkbar. Alternativ könnte man auch eine große „30“, wie in der Oktaviostraße, auf den Asphalt der Kielmannseggstraße aufbringen, um das Tempolimit wieder ins Gedächtnis der Autofahrer zu rufen. „Hier ist im Moment durch die Sielbaustelle eh alles aufgebaggert. Es bietet sich an, etwas baulich zu verändern. Hier muss mal Grund rein. Ich könnte mir gut vorstellen, dass man während der sowieso anstehenden Arbeiten einen Kreisel auf der Kreuzung errichtet und die Autofahrer so ausbremst“, sagt Depmer-Ahner. „Das muss ja kein Kunstwerk sein, sondern eher ein funktionales Bauwerk. Für die Verschönerung mit einer angemessenen Bepflanzung können ja wir Anwohner sorgen.“
Das Bezirksamt hat im fraglichen Bereich keine Erkenntnisse über eine besondere Gefahrenstelle oder einen Unfallschwerpunkt. „Sofern die Polizei Handlungsbedarf erkennt, verständigt sich das Bezirksamt mit den zuständigen Stellen über geeignete Maßnahmen. Die Anlage eines Kreisverkehres ist bisher nicht vorgesehen“, so Daniela Achenbach vom Bezirksamt Wandsbek. Bisher. Die Anwohner in der Kielmannseggstraße müssen sich wohl noch ein wenig gedulden, bis ihre Rufe nach einer Entschleunigung vor ihren Haustüren Wirkung zeigen. Sollte der aktuelle Protest nichts ändern, ist laut Depmer-Ahner eine Unterschriftenaktion geplant.
Bis dahin müssen die Bewohner den Rasern ein lautes „Hier ist 30!“ entgegenrufen.
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