Ihr Handwerk ist explosiv

Anzeige
Burkhard Mantsch (links) und Peter Bodes vom Kampfmittelräumdienst sind zusammen mit ihren sechs Kollegen rund um die Uhr einsatzbereit. Foto: zz

Die Spezialisten des Kampfmittelräumdienstes

Von Jürgen Hartmann
Jenfeld. Wer auf der Jenfelder Allee oder der Charlottenburger Straße an dem Gebiet der ehemaligen Lettow-Vorbeck-Kaserne vorbeifährt, wundert sich vielleicht, warum es hier mit der geplanten Bebauung scheinbar nicht so recht vorangeht.
Doch das hat seinen Grund. Denn bevor die Bagger damit beginnen können, die Fundamente für die neuen Häuser auszuheben, muss das ganze 36 Hektar große Gelände sehr penibel und genau nach Munitionsresten abgesucht werden. Das wird von Spezialfirmen zurzeit im Auftrag der Grundstückseigner erledigt. Denn der Besitzer des Areals trägt auch die Verantwortung, dass am Ende dort keine Munition mehr liegt. Das Gelände der ehemaligen Lettow Vorbeck Kaserne gehört überwiegend der Freien und Hansestadt Hamburg und teilweise noch dem Bund.
Dass diese Arbeit notwendig ist, zeigten die letzten Wochen. Mehrmals wurden hier Bomben, Panzerminen, Wurfgranaten und andere Munitionsreste aus dem ersten und zweien Weltkrieg gefunden. Denn die Lettow-Vorbeck-Kaserne gehörte mit zu dem Verteidigungsring, den es rund um Hamburg gab. „Die Bundeswehr hat das Gelände sauber hinterlassen“, so Peter Bodes, Leiter des Hamburger Kampfmittelräumdienstes. Wenn Munition gefunden wird, wird sie zunächst sorgfältig freigelegt und darf nicht bewegt werden. Und dann werden sie gerufen – die Spezialisten vom Kampfmittelräumdienst. Sie entscheiden dann direkt vor Ort, wie mit dem Fund umgegangen wird und was getan werden muss: Kann die Transportfähigkeit hergestellt werden, damit der Fund abtransportiert werden kann? Ist es erforderlich, die Munition vor Ort zu entschärfen, um sie dann abtransportieren zu können? Oder sind die Bomben so gefährlich, dass eine Sprengung direkt am Fundort erforderlich ist.

Acht ausgebildete Spezialisten
Die acht Mitglieder des Kampfmittelräumdienstes Hamburg, der organisatorisch bei der Feuerwehr angegliedert ist, sind langjährige und hervorragend ausgebildete Spezialisten, die bei der Bundeswehr viel Erfahrungen gesammelt haben, ehe sie ihre Tätigkeit in dieser Gruppe aufnehmen durften.
Zwei dieser Kampfmittelräumer sind erfahrene Berufstaucher, denen, wie allen anderen auch, durchaus ganz bewusst ist, wie gefährlich und auch körperlich anstrengend ihre Arbeit ist. Entsprechend sorgsam gehen sie vor und tun alles, um die Munitionsfunde zu sichern oder unschädlich zu machen.
Auch wenn das Material schon über 60 Jahre im Boden liegt, sind häufig die Langzeitzünder noch durchaus funktionsfähig. Das heißt, dass eine falsche Bewegung oder ein falscher Handgriff unter Umständen reichen könnten, um die Bomben oder Granaten zur Explosion zu bringen.
„Unsere Arbeit ist nichts für Anfänger oder Hobbybastler. Dazu ist das Material, mit dem wir es zu tun haben, viel zu gefährlich und unzurechenbar“, sagte Sprengmeister Peter Bodes, der seit 1989 dem Kampfmittelräumdienst angehört und ihn seit 2007 leitet.
An dem Standort in einer Hamburger Feuer- und Rettungswache zeigte er dem WochenBlatt zusammen mit seinem Stellvertreter Burkhard Mantsch einige der gefährlichen Zünder, Bomben, Minen und Granaten und anderes Pioniermaterial, dass von diesen Spezialisten entschärft wurde.
Dass die hier zu Übungs- und Ausbildungszwecken ausgestellten Exponate natürlich jetzt keinen Sprengstoff mehr enthalten, ist selbstverständlich. Dem Kampfmittelräumdienst stehen mehrere Fahrzeuge zur Verfügung, in den die Munition auch abtransportiert werden kann. Erst vor wenigen Wochen erhielt der Kampfmittelräumdienst ein Spezialgerät, dass einen extrem hohen Wasserstrahl erzeugt, mit dessen Hilfe dann Bomben oder Granaten unschädlich gemacht werden können. „Trotzdem ist unsere Arbeit auch körperlich nach wie vor sehr anstrengend und daher müssen wir immer topfit und belastbar sein“, so Bodes.

Umfangreiche Sicherungsmaßnahmen
Wenn – was allerdings relativ selten vorkommt - gefundene Munition vor Ort gesprengt werden muss, wie zuletzt auch in Jenfeld, sind zunächst umfangreichen Sicherungsmaßnahmen erforderlich. Dazu gehört es unter Umständen auch, dass umliegende Häuser zeitweise evakuiert werden müssen, was gerade für ältere Mitbewohnerinnen und Mitbewohner, die die Weltkriege noch miterlebt haben, unangenehme Erinnerungen wachrüttelt. Wie gefährlich, scharf und schwer die Splitter sein können, die bei einer ausgelösten Detonation trotz aller Vorsicht doch noch mal durch die Luft fliegen können, kann jeder selbst erkennen, der schon einmal ein solches Teil in der Hand gehabt hat.

Behinderungen nicht ausgeschlossen
Sollten in der nächsten Zeit auf dem Gelände der ehemaligen Lettow-Vorbeck-Kaserne Kampfmittel gefunden werden, die direkt vor Ort gesprengt werden müssen, sollten die Anwohner bitte Verständnis dafür haben, dass es zeitweise zu Beeinträchtigungen im Straßenverkehr und /oder zur Evakuierung von Häusern kommen kann.
Dies alles dient ausschließlich der Sicherheit der Bevölkerung. Denn wie gesagt- auch nach über 60 Jahren sind die Kampfmittel noch unter Umständen sehr gefährlich. (zz)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige