In Jenfeld ein Stück Frankreich erleben

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Vor der Bundeswehr-Universität wehen die Flaggen Deutschlands, Frankreichs und der NATO Foto: Glitz

Ausstellung in der Bundeswehr-Uni eröffnet / Wie Hamburg von Besatzern ab 1811 profitierte

Von Rainer Glitz
Jenfeld. Vor der Helmut-Schmidt-Universität wehen die Flaggen Deutschlands, Frankreichs und der NATO. Am Haupteingang stehen drei schwarze Limousinen. Wie ein kleiner Staatsbesuch wirkt die Eröffnung der Ausstellung „Die französischen Besatzer in Hamburg: Zeugnisse zu den Jahren 1811 bis 1814“. Vielen Hamburgern ist heute nicht bewusst, dass ihre Stadt vor 200 Jahren französisch war.
„Ich hatte überlegt, ob ich überhaupt komme“, scherzte denn auch Bürgermeister Olaf Scholz zu Beginn seines Grußwortes in der Bibliothek der Bundeswehr-Uni. Es sei aber gut, über das Thema zu reden, die Jahre 1811 bis 1814 seien schließlich Teil der Hamburger Geschichte. „Es war keine bloße Besatzungszeit“, so Scholz weiter. Frankreich sei damals Zentrum der Aufklärung gewesen, Hamburg habe vom wirtschaftlichen Aufschwung und einer modernen Rechtsprechung und Verwaltung profitiert. „Die Ausstellung in Jenfeld ist ein schönes Ausrufezeichen“, sagte der Bürgermeister und verwies auf die Städtepartnerschaft mit Marseille, die vor 55 Jahren begann.
Der Verteidigungs- und Heeresattaché der französischen Botschaft, Philippe Chalmel, betonte in seiner Rede, die Ausstellung ermögliche einen neuen Blick auf die gemeinsame Vergangenheit. Nur so könne das Verständnis für Gegenwart und Zukunft noch verbessert werden.
„Aus den Hamburgern sollten Franzosen werden, die Stadt sollte werden wie Marseille oder Bordeaux“, erläuterte Helmut Stubbe da Luz die Idee Napoleons. Doch anders als in Aachen, Trier oder Mainz werde die Besatzungszeit von der Bevölkerung historisch eher negativ gesehen, so der Kurator der Ausstellung. Dabei seien ausgesuchte Fachleute mit Deutschkenntnissen nach Hamburg geschickt worden. 18 von ihnen, darunter auch der Kaiser Napoleon, werden in der Ausstellung vorgestellt. Präfekten, Juristen, Militärs oder Steuereinnehmer. Gezeigt werden Briefe, Dokumente, Bücher und Münzen. Was ist tatsächlich passiert und wie hat sich Hamburg verändert – das sollen die Exponate zeigen. „Viele waren bisher noch nie zu sehen“, sagte Stubbe da Luz nicht ohne Stolz. Darunter ist ein Wappen, das bisher im Staatsarchiv schlummerte, oder das Tagebuch des damaligen Platzkommandanten. Napoleon selbst war übrigens nie in Hamburg.
Die Ausstellung ist noch bis zum 29. Juni geöffnet, jeweils Montag bis Donnerstag
9–16 Uhr und freitags
9 - 14 Uhr, der Eintritt ist frei. Ausstellungsort: Bibliothek der Helmut-Schmidt-Universität, Holstenhofweg 85
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