„Integration gestalten“

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Sabine Stövesand (v.l.), Astrid Hennies und Aydan Özoǧuz Foto: Glitz

Staatsministerin Aydan Özoǧuz in der Rogate-Kirche

Meiendorf „So voll ist es hier sonst nur am Heiligabend“, begrüßt Diakon Manfred Ehm das Publikum. Die Rogate-Kirche ist restlos gefüllt. Eingeladen hatte die Rahlstedter SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Astrid Hennies, die die Veranstaltung souverän moderiert. „Alle wünschen sich weniger Zuzug, damit wir einmal Luft holen können“, sagt Staatsministerin Aydan Özoğuz in ihrem Vortrag zur aktuellen Flüchtlingssituation in Deutschland. 480.000 Asylanträge seien im vergangenen Jahr gestellt worden, davon seien 48,5 Prozent anerkannt worden. Wichtig seien eine vernünftige Registrierung und Integrationsangebote, die auch angenommen werden müssten. „Wir müssen kühlen Kopf bewahren“, kommentiert Staatsministerin Özoğuz die Diskussion über Flüchtlings-Obergrenzen. Die Bundesregierung habe bereits viel getan: Es gebe mehr Stellen im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, um die Asylverfahren zu beschleunigen. Mehr Länder seien als sichere Herkunftsstaaten eingestuft worden, die Kommunen würden beim sozialen Wohnungsbau unterstützt. Im Gegensatz zu den 90er-Jahren zeige Deutschland einen herzlichen Umgang mit den Flüchtlingen, sagt Özoğuz: „Wir dürfen das Menschliche nicht vergessen!“ Das Publikum applaudiert kräftig.

Brücken bauen


Zweite Referentin ist Sabine Stövesand, Professorin für soziale Arbeit an der HAW. Sie spricht über Integration und Nachbarschaft. Fremdheit sei eine Grunderfahrung in der Großstadt, ohne Zuzug gebe es keine Entwicklung, sagt Stövesand: „Integration muss man leben, sie ist keine Einbahnstraße.“ Konflikte seien der Kern einer offenen Gesellschaft. „Man muss sich nur entscheiden, ob man Konflikte lösen oder gewinnen will“, so die Sozialwissenschaftlerin. Man müsse wollen, dass Integration gelingt. Dabei sei die Nachbarschaft wichtig, um Brücken zu bauen: „Direkter Kontakt hilft gegen Ängste“, ist Stövesand überzeugt. Auch für sie gibt es viel Applaus. Die folgende Diskussion bleibt weitestgehend sachlich und fair. Woher kommt die Verzögerung beim Einreisezentrum in Meiendorf? Gibt es bereits Anwerbeversuche des IS? Wie können Frauen, wie Christen oder Homosexuelle in den Einrichtungen geschützt werden? Schürt das Internet Ängste in der Bevölkerung? Nach zweieinhalb Stunden endet die Veranstaltung, Bürger und Referenten diskutieren noch weiter.
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