Integration mit einem Musical

Wann? 21.10.2017

Wo? Mengestraße 20, Mengestraße 20, 21107 Hamburg DE
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Die vier jungen Männer aus Palästina und Afghanistan machen sich zu Proben von Rahlstedt nach Volksdorf auf den Weg Foto: fbt
Hamburg: Mengestraße 20 |

Vier Flüchtlinge aus Rahlstedt proben mit einheimischen Jugendlichen für „Welcome Voices“

Von Frank Berno Timm
Rahlstedt
„Welcome Voices“ heißt das Musical von Todd Fletcher, das im Herbst auf Deutschland-Tournee gehen soll. Die Proben finden in Volksdorf und Berlin statt – beteiligt am Projekt der Malteser sind einheimische und junge Leute aus Flüchtlingseinrichtungen. Vier von ihnen leben in der Erstaufnahme in Rahlstedt. Das Gewerbegebiet Höltigbaum am Rand von Rahlstedt ist kein Platz, den man sich zum Wohnen aussuchen würde. Mitten zwischen Firmengebäuden liegt ein großes, eingezäuntes und bewachtes Gelände: die Rahlstedter Erstaufnahme. Hier kommen Flüchtlinge unter, die einen Asylantrag gestellt haben – die ersten sechs Monate ihres Lebens in Deutschland müssen sie in einer solchen Einrichtung bleiben.

Ein Leben im Container

Das Hamburger Wochenblatt ist mit vier jungen Männern verabredet – zwei Afghanen und zwei Palästinensern. Die Verständigung klappt erst langsam – die Männer sprechen noch wenig Deutsch. Mohammed liebt Musik und Tanz, dass sie regelmäßig an den Proben für das Musical in Volksdorf teilnehmen können, sei „gut für mein neues Leben“ und sie könnten, sagen die Männer, „den Stress vergessen“. Im Moment besuchen sie an vier Tagen in der Woche einen Deutschkurs. Ziele haben sie auch: Mohammed ist in Afghanistan nach zwei Jahren Ausbildung sieben Jahre Lkw gefahren und möchte auch in Deutschland als Fahrer arbeiten. Kim wünscht sich, in die Altenpflege zu gehen, außerdem steht er auf Comedy und Alleinunterhaltung; Ali hat Frisör gelernt und große Pläne: „Ich liebe Theater“, sagt er. Auf jeden Fall, fügt Ali hinzu, möchte er in Deutschland bleiben: „Ich suche ein Praktikum“. Die jungen Männer sind zwischen 27 und 30 Jahre alt, sie wirken ausgeglichen und sind ausgesprochen freundlich. Im Moment leben sie in kleinen Container-Zimmern: sparsam eingerichtet und nur mit äußerst begrenzter Privatsphäre.

Proben im Jugendzentrum „Manna“

Da ist das Jugendzentrum „Manna“ in Volksdorf, wo die Proben mit Todd Fletcher stattfinden, schon ein starker Kontrast. Es gibt eine kleine Bühne, Stühle werden aufgestellt, ein E-Piano hereingetragen und angeschlossen. Vier junge Frauen und vier junge Männer sitzen vor Todd Fletcher: „Zierliche Knospen zeigen sich...“, singt er ihnen vor, sie wiederholen. Das Lied ist musikalisch anspruchsvoll, verlangt geübte Stimmen – es geht um zwitschernde Vögel, aufwachende Waldblumen, um die Düfte des Frühlings. Wieder und immer wieder probt Fletcher mit den Jugendlichen das Stück aus seiner Feder, sie werden immer sicherer, zwischendurch darf Ali sogar zum ersten Mal Solo singen.

Fördert die Integration

Für „Welcome Voices“ proben 17 Jugendliche aus Afghanistan, Syrien und Deutschland. Die Gruppe geht ungezwungen miteinander um, in der Pause sitzen die jungen Leute am Tresen im Vorraum und unterhalten sich. Wichtig sei, dass die Jugendlichen aus den Flüchtlingsunterkünften herauskämen, damit „die Deutschen sehen, wer sie eigentlich sind“, sagt Todd Fletcher. „Ich bin begeistert, wie sie von Mal zu Mal besser werden.“ Es gehe darum, den Jugendlichen etwas an die Hand zu geben, das sie selbst entwickeln, sagt Ute Landwehr-von Brock, Referentin für musisch-kulturelle Integrationsprojekte bei den Maltesern, unter deren Obhut „Welcome Voices“ veranstaltet wird. Das Projekt sei „ein wichtiger Beitrag zur Integration“.

„Welcome Voices“: Die Uraufführung wird am 18. Oktober, 19 Uhr in der Berliner Ufa-Fabrik stattfinden, am 21. Oktober, 19 Uhr, folgt ein Konzert im Bürgerhaus Wilhelmsburg. Dann geht es auf Tournee.
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