Ist „Das Café“ am Ende?

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Das Stadtteilcafé am Schreyerring bietet seit 26 Jahren günstiges Frühstück und Mittagessen für Steilshooper Foto: wb
 
Alraune-Geschäftsführerin Petra Lafferentz sieht das Café gefährdet Foto: Haas

Steilshooper Stadtteilcafé der Alraune GmbH wieder am finanziellen Limit

Steilshoop Droht hier schon wieder die Pleite? Gäste und Mitarbeiter-Team sind verunsichert. Obwohl die Bezirksversammlung Wandsbek ihre Unterstützung von bis zu 50.000 Euro für das Stadtteilcafé schon Ende Januar beschlossen hatte, drohe noch immer ein Defizit von 80.000 Euro, erklärt Alraune-Geschäftsführerin Petra Lafferentz. Denn die Zuwendung sei gekoppelt an eine Kofinanzierung von Sozial- oder Schulbehörde. „Doch die ist bislang nicht in Sicht, die Lage ist also für uns sehr ernst“, so Lafferentz.
Vor 26 Jahren wurde dieses Lokal der besonderen Art am Schreyerring eröffnet. Gäste mit schmaler Geldbörse kommen an Werkstagen gerne hierher zu Frühstück, Mittagessen oder auf eine Klönrunde mit Kaffee am Nachmittag. Bekocht und bedient werden sie von Frauen, die sich im Gastronomie-Bereich weiterbilden, mittendrin in der Praxis. In jüngster Zeit sind vor allem junge Mütter hier tätig, die ihre Rückkehr in den Beruf verbessern wollen (das Wochenblatt berichtete). Betrieben wird „Das Café“ vom gemeinnützigen Bildungsträger „Alraune“ – mit fraglicher Zukunft: Jährlich aufs Neue ist die Fortführung des Cafés gefährdet. Früher, als es noch mit Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) betrieben werden konnte, hätten „schöne Zeiten“ geherrscht. Nach dem Fortfall von ABM konnten Arbeitslose auf der Basis von „Ein-Euro-Jobs“ beschäftigt werden. Und nach deren Streichung blieben Qualifizierung und Ausbildungsvorbereitung für junge Mütter im Gastronomiebereich als Grundlage für den Betrieb des Cafés. „In letzter Zeit kamen jedoch nur acht bis zwölf Interessentinnen monatlich“, beklagt Lafferentz
angesichts des erwirtschafteten Minus. Doch nur mit 25 Teilnehmerinnen an der Fortbildung rechne sich der Café-Betrieb. „Aber weder die zuständige Sozialbehörde noch das Jobcenter oder auch die Schulbehörde bewegen sich.“

Jobcenter kann keine Teilnehmer garantieren


Hoffnungen auf das Jobcenter team.arbeit.hamburg erübrigen sich fast: „Eine Zuweisung von Teilnehmern können wir gar nicht garantieren“, erklärt Jobcenter-Sprecherin Kirsten Maaß. „Bei gegebenen individuellen Voraussetzungen erhalten unsere Kunden Bildungsgutscheine. Damit suchen sie ihre Weiterbildungen selber aus.“ Das Jobcenter sei zudem zur Wettbewerbsneutralität verpflichtet und könne keinen Träger bevorzugen. Indessen macht sich Anja Quast, die Vorsitzende der SPD-Fraktion Wandsbek, stark für den Fortbestand des Stadtteil-Cafés, das einen wichtigen Beitrag für die Stadtteilentwicklung von Steilshoop leiste. Doch auch die Bezirkspolitikerin sieht ihr lokalpolitisches Engagement eng verknüpft mit der Arbeitsmarktpolitik. „Wir gehen davon aus, dass weiterhin Gespräche zwischen Fachbehörden, Jobcenter und dem Träger Alraune laufen, um eine tragfähige Lösung zu finden“, sagt Anja Quast zuversichtlich. „Noch ist nicht aller Tage Abend.“ Andreas Dressel, SPD-Fraktionsvorsitzender in der Bürgerschaft, bestätigt: „Es laufen noch Gespräche mit dem Jobcenter.“ Wegen der Koalitionsverhandlungen verzögert sich das Prozedere allerdings – während das Café-Team sich in Geduld üben muss. „Bei uns stockt alles“, sorgt sich Petra Lafferentz und hofft auf ein schnelles – positives – Ergebnis. (wh)
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1 Kommentar
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Rainer Stelling aus St. Georg | 11.03.2015 | 16:14  
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