Jugendkirche von Hamburg Ost geschlossen

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In der Thomaskirche fand der letzte Gottesdienst der Jugendkirche statt Foto: rdm

Wir fühlen uns nicht unterstützt, so die betroffenen jungen Menschen

Reinhard Meyer
Rahlstedt
„It’s time to say goodbye“ – dieser Satz auf der Website der Jugendkirche deutet auf Abschied nehmen hin – er war auch das Motto des letzten Gottesdienstes der Jugendlichen zum Abschied von ihrer Jugendkirche. Das Projekt wurde jetzt nach vier Jahren eingestellt. Die Jugendband spielte Lieder wie „Come now is the time to worship“ und „Geh unter der Gnade“ und verglich in einer selbstgeschriebenen Szene das Leben der Jugendkirche mit einem Menschenleben: Schwierige Geburt, erste Entdeckungen im Kleinkindalter, stürmisches Verhalten während der Pubertät, als Erwachsener, Rente, Sterben, Sarg, Beerdigung. Dies war kein Protest, keine Auflehnung der Jugendlichen, sondern tiefe Trauer über das Ende des Projekts „Jugendkirche“ und zugleich Dankbarkeit für eine glückliche Zeit, die nur noch in der Erinnerung leben wird. Joshua Berghahn: „Was bleibt, ist der Zugang zum Glauben und zur Kirche, der macht mich glücklich“. Alle Jugendlichen wollen ihre Arbeit in ihren Kirchengemeinden fortsetzen. Die Thomaskirche der Kirchengemeinde Meiendorf-Oldenfelde war am 1. Dezember 2012 zur Jugendkirche des Kirchenkreises Hamburg Ost umgewidmet worden. Neun Kirchengemeinden beteiligten sich daran. Nicht alle profitierten von der Kooperation. Theo Christiansen, Leiter des Amtes für Diakonie und Bildung im Kirchenkreis Hamburg-Ost/Stormarn, erklärt es so: „Die Jugendkirche ist ein Projekt von neun Kirchengemeinden bis Bargteheide hin, das sie gemeinsam finanziert haben. Aber die Jugendlichen sind aus Entfernungsgründen nicht nach Rahlstedt gefahren. Die Gemeinden konnten sie auch nicht drängen. Sie wollen das Geld jetzt in die eigene Jugendarbeit stecken. Der Kirchenkreis kann autonomen Gemeinden nichts vorschreiben. Er wird die finanzielle Jugendförderung verstärken.“ Christiansen kündigte an, dass eine gründliche Ursachenanalyse vorgenommen werde. Formal wurde die Jugendkirche mit der Entpflichtung von Haustechnicker Julius Colmant, Jugendpastorin Jill Becker und Jugenddiakon Oliver Wildner beendet. Symbolisch trugen die Jugendlichen nach dem letzten Abendmahl das Projekt mit einem Sarg zu Grabe. Dazu Wildner: „Das Ende der Jugendkirche? Kirche darf nicht aufhören, mit Formen jugendgerechter Kirchenarbeit zu experimentieren“. Und Bandmitglied Alexander Schacht: „Dies war eine Kirche von der Jugend für die Jugend. Wir fühlten uns vom Kirchenkreis Hamburg Ost nicht unterstützt. Aber ich werde meine Arbeit in der Heimatgemeinde fortsetzen.“ Über die Zukunft des Gebäudes der Jugendkirche konnte Christiansen nichts sagen: „Die Entscheidung liegt beim Eigentümer, dem Kirchgemeindeverband Rahlstedt.“ Jugenddiakon Widmer wird in anderen Kirchengemeinden arbeiten, Pastorin Jil Becker sich wieder ganz auf ihre Arbeit in der Kreuzkirche konzentrieren.
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