Kampf um den Wahlsieg

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Frühlingsidyll in der Berner Gartenstadt. Hinter den Kulissen wird aber mit harten Bandagen gekämpft Foto: tel

Gartenstadt: 44 zu 20 Stimmen für Abriss auf der Berner „Insel“

Von Michael Hertel
Berne
„Unsere Kandidaten haben gut abgeschnitten“. Matthias Windscheid, Genossenschaftler aus der Lienaustraße und selbst Kandidat, war hörbar zufrieden. Für die „Initiative Siedlung Berne“, die sich als Opposition zu Vorstand und Aufsichtsrat versteht, hatten er und einige Gleichgesinnte letzten Sonnabend die Auszählung der Stimmen für die alle fünf Jahre stattfindende Vertreterwahl der Gartenstadt Hamburg Genossenschaft (eG) im Berner Schloss beobachtet. Angesetzt war die Auszählung von 9 bis 13 Uhr. Es dauerte dann aber doch fast bis 21 Uhr. „So genau ist dort sicherlich noch nie gezählt worden“, meinte Windscheid und lobte gleichzeitig Genossenschaftsvorstand Sönke Witt: „Das Ganze war gut organisiert.“ Zwar will der Vorstand das offizielle Wahlergebnis erst nach einer weiteren Sitzung des Wahlvorstandes in dieser Woche verkünden. Doch gerüchteweise haben es viele der 28 „Ini“-Kandidaten bei der Wahl von 84 Vertretern und 29 Ersatzvertretern unter insgesamt 174 Bewerbern geschafft (die „Ini“ hatte vorher eine Wahlliste an die Genossenschaftler verteilt), während einige prominente Vertreter lange Gesichter machten. Die Wahl wird von einigen der insgesamt mehr als 4000 Mitglieder als richtungsweisend für die Zukunft der Gartenstadt angesehen, die freilich nur einen Teil der gesamten Genossenschaft bildet. Laut Satzung wählen die Vertreter den Aufsichtsrat (der wiederum den Vorstand bestimmt), beschließen den Jahresabschluss, entlasten Vorstand und Aufsichtsrat. Wichtige Änderungen – beispielsweise an der Satzung der „eG“ – sind nur mit 75-prozentiger Mehrheit der Vertreter möglich. Insofern „verkaufen“ beide Seiten die Abstimmung auf der außerordentlichen Versammlung vom 21. April als ihren Erfolg. Dabei ging es – wie berichtet – in erster Linie um mögliche Veränderungen oder den Bestandsschutz der 15 Gartenstadt-Häuser auf der sogenannten Insel zwischen Berner Heerweg, Berner Brücke und U-Bahn. Es stimmten 44 Vertreter für den Antrag von Vorstand und Aufsichtsrat, der einen Abriss leerstehender „Insel“-Häuser und Neubau auf der rund 33.000 Quadratmeter großen Fläche ermöglicht. Gegner dieses Antrages (20 Stimmen) argumentieren, dass eine Zweidrittelmehrheit nicht erreicht wurde. Nur damit aber sei eine so gravierende Veränderung wie der Abriss von Häusern in der Gartenstadt möglich. Dagegen sieht Vorstand Sönke Witt in dem Votum ein klares Bekenntnis für eine behutsame Neuentwicklung und den langfristigen Erhalt des denkmalgeschützten Siedlungsteils. Kandidat Windscheid: „Der Streit um die Gartenstadt geht unvermindert weiter, und die neu gewählten Vertreter werden Vorstand und Aufsichtsrat ordentlich Dampf machen.“ Die genauen Wahlergebnisse will der Vorstand bis zur kommenden Woche auf der Homepage www.gartenstadt-hamburg.de veröffentlichen.
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