Karstadt-Filiale vor Kündigungswelle

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Karstadt plant in Wandsbek bis zu 20 Prozent des Personals abzubauen Foto: mdt

Jeder fünfte Mitarbeiter in Wandsbek soll gehen. Betriebsrat verhandelt

Von Marco Dittmer
Wandsbek
Die schlechten Nachrichten für Karstadt-Mitarbeiter reißen auch im neuen Jahr nicht ab. Nachdem der Konzern Ende Oktober 2014 die Schließung von sechs Filialen bekannt gab, darunter der Markt im Billstedt-Center, kommen nun offenbar auch tiefe Einschnitte auf die Wandsbeker Filiale zu.
Nach Wochenblatt-Informationen plant der Arbeitgeber allein in dieser Filiale 30 bis 40 Vollzeitstellen abzubauen, rund 20 Prozent aller Mitarbeiter. Ein Großteil des Personalabbaus soll demnach durch Kündigungen umgesetzt werden, wenige Angestellte werden in andere Filialen verlegt.
Auch bundesweit wird die Zahl der geplanten Entlassungen deutlich nach oben geschraubt. War bisher von 2.000 Kündigungen die Rede, könnten es nun bis zu 3.000 sein. Auf Anfrage sagte der Wandsbeker Betriebsratsvorsitzende Jürgen Gehring zu den Plänen: „Wenn die Pläne so umgesetzt werden, können wir uns nicht mehr als Warenhaus bezeichnen.“

Einigung bis Februar?


Gehring befürchtet eine deutliche Umstellung der Filiale in Wandsbek. So könnte der Karstadt-typische Verkaufsbereich, viele kleine separate Stände mit Beratern, großen Selbstbedienungsflächen weichen – so, wie man sie aus Discountgeschäften kennt. „Viele unserer Kunden wären enttäuscht, wenn die Beratung in unseren Filialen wegfallen würde“, sagt Gehring.
Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Konzernführung könnten die letzte Möglichkeit sein, den radikalen Personalabbau in Wandsbek zu verhindern.

„Wenn die Pläne so umgesetzt werden, können wir uns nicht mehr als Warenhaus bezeichnen.“ Betriebsrat Jürgen Gehring

Die Gespräche zum „Sozialplan und zu einem Interessenausgleich“ haben bereits am Montag in Frankfurt begonnen. Bis Mitte Februar soll eine Einigung her.
Dabei will man laut Gesamtbetriebsrat aber nicht nur über die Milderung von Kündigungen sprechen, sondern vor allem die Größenordnung der Kündigungswelle thematisieren und senken.
Nachdem der neue Eigentümer der Karstadt-Kette, der österreichische Immobilien-Unternehmer René Benko, das neue Sanierungskonzept vorstellte, waren Einschnitte zu befürchten. Neben den sechs Filialen, die zum Ende des Jahres 2015 geschlossen werden sollen, stehen 20 weitere Warenhäuser auf dem Prüfstand. Außerdem kündigte Karstadt den Tarifvertrag für seine 17.000 Angestellten auf.

Umsatz geht zurück


In einem Neujahrsbrief an die Mitarbeiter stimmte der Finanzchef, Miguel Müllenbach, schon auf ein schwieriges Jahr ein. Demnach sind die Aussichten des krisengeschüttelten Unternehmens nicht besser geworden.
Zuletzt sank der Umsatz im wichtigen Weihnachtsgeschäft um sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders das Textilgeschäft enttäuschte. Karstadt stand bis Redaktionsschluss nicht für eine Stellungnahme zur Verfügung.
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