Kein Platz für die Historie in Bramfeld

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Vergangene Pracht: auf dem historischen Foto steht auch das Quergebäude (links) noch, das Ende der 1970er-Jahre abgerissen wurde Foto: Stadtteilarchiv

Anwohner bedauern Abriss des Eggershofs. Auf dem Gelände entsteht das Projekt „Bramfeld 64“ mit 145 Wohnungen

Von Michael Hertel
Bramfeld
Letztes Frühjahr konnte sich Hubertus Witte (63) noch an der üppigen Blütenpracht erfreuen, die den selbstständigen Schiffsinspektor an den alten Bauerngarten in seiner Nachbarschaft erinnerte. In diesem Frühjahr ist das Gelände des einstigen Eggershofs hinter dem Brakula plattgemacht – Dutzende alter Obstbäume mit Stumpf und Stiel ausgerottet, was Witte als barbarischen Akt empfindet. Und neben den Bäumen wartet das einzig übriggebliebene Hofgebäude, in dem bis vor wenigen Jahren ein Kindergarten residierte, auf das gleiche Schicksal. Eine Bietergemeinschaft errichtet nach dem Bebauungsplan „Bramfeld 64“ auf dem 6,3 Hektar großen Gelände in einem Pilotprojekt rund 145 Wohnungen im „freifinanzierten, bezahlbaren Wohnungsbau“ (8 Euro/qm). Nach Auskunft des Bezirksamtes laufen mit der Wohnungsgenossenschaft noch die Verhandlungen. Das Vorhaben mag städtebaulich löblich sein, „doch es verschwindet ein weiteres Stück historisches Bramfeld“, beklagt Gudrun Wohlrab, Leiterin des Stadtteilarchivs.

Abriss alter Gebäude nimmt zu

Und diese Verluste häufen sich derzeit: „Der Jahnkehof weicht der Dorfpassage, das letzte Reetdachhaus in der Anderheitsallee ist abgerissen worden, jederzeit erwarten wir den Abbruch der alten Schmiede“, ist Wohlrab betrübt. „Die neue Bebauung macht den Stadtteil beliebig, alte Häuser dagegen bieten ein individuelles Erscheinungsbild, stiften Identifikation der Bewohner mit ihrem Stadtteil und erhöhen so die Lebensqualität“, weiß die Hobby-Historikerin. Dass es nun auch das alte Hofgebäude, erbaut um 1870, trifft, lastet Witte den Behörden an: „Man wusste doch, dass der Kindergarten nicht investieren konnte, und hat das Haus immer mehr herunterkommen lassen. Und der Denkmalschutz hat nicht aufgepasst.“ In der Tat: Witte hat es schriftlich – das Gebäude steht nicht unter Denkmalschutz, obwohl es nach Ansicht vieler hätte darauf stehen müssen. „Ich hoffe nur, dass wir noch mal rein dürfen, bevor die Bagger kommen, um historische Elemente wenigstens fotografisch für die Nachwelt zu erhalten“, tröstet sich Gudrun Wohlrab.
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