Keine Kürzungen bei Jugendarbeit

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Hier zeigen Mitarbeiter von Jugendtreffs und ein Jugendlicher mit ihren Flugblättern, was sie von Senator Scheele fordern „den Erhalt der Jugendeinrichtungen“. Foto: hbz
 
Protest vor dem Jenfeld-Haus gegen die geplanten Kürzungen in der offenen Kinder- und Jugendarbeit.

Jugendliche und Sozialarbeiter protestieren gegen Senatspläne

Von Hubert Bätz
Jenfeld. Einen schweren Stand hatte Sozialsenator Detlef Scheele am vergangenen Donnerstag im Jenfeld-Haus bei seinem Termin „Senator vor Ort“ als er in einem Vortrag über die „Zukunft der Sozialsysteme in Hamburg“ referierte.
Bereits vor dem Haus erwartete ihn eine Gruppe Demonstranten, die mit Plakaten und einem nachgebildeten dunklen Sarg gegen die geplanten Kürzungen im Bereich der Offenen Kinder- und Jugendarbeit protestieren. Gelang es Scheele bei seiner Ankunft noch, den Protest zu umgehen, so war es damit im Haus vorbei.
Hier stand das Thema Kürzungen im Vordergrund der Diskussion, auch wenn der Sozialsenator auf seine Erfolge, besonders beim Ausbau der Kitas und Krippen verwies, und die geplanten Kürzungen als Umstrukturierungen des Sozialsystems bezeichnete. Scheele: „Es wird kein Geld weggenommen, sondern nur umverteilt. Mit dem Ausbau der Schulen zu Gesamtschulen ändert sich das System. Kinder und Jugendliche sind länger in der Schule. Hier verbringen sie dann auch viel Freizeit, daher muss hierhin Geld fließen.“ Trotzdem war der Ärger eines Teils des Publikums ihm sicher, denn Scheele plant nicht weniger als die komplette Umgestaltung des Kinder- und Jugendhilfewesens. Die ist aus seiner Sicht nötig, um Einsparungen auch im Sozialbereich für die Konsolidierung des Hamburger Haushaltes durchsetzen zu können. Scheeles Behörde verantwortet mit 2,4 Milliarden Euro den zweit höchsten Einzelhaushalt in Hamburg, aber die Möglichkeiten zu sparen, sind bei der Sozialbehörde begrenzt, da ein Großteil der Ausgaben gesetzliche Leistungen wie Grundsicherung, Hilfen zur Erziehung (HZE) oder Eingliederungshilfen sind. Bedürftige haben darauf einen gesetzlichen Anspruch.
Gelder umverteilen
Einsparungen im Kita-Bereich will die SPD nicht, bleibt also nur ein Teilbereich von 490 Millionen Euro, bei dem er direkt kürzen kann. 67,5 Millionen Euro sollen es im kommenden Jahr sein, davon 3,5 Millionen Euro, die Scheele bei den sogenannten Rahmenzuweisungen an die Bezirke einsparen will.
Und so ist es seiner Logik nach richtig, dass Aufgaben der offenen Kinder- und Jugendhilfe künftig in die Schulen wandern sollen.
Bei den Trägern der Offenen Kinder- und Jugendarbeit und bei den Jugendlichen aber ist man der Meinung, „dass das so nicht funktioniert“.
Immer wieder wurde bezweifelt, dass die Schulen so schnell die Freizeit- und Kursbereiche am Nachmittag ausbauen können. Argumente aber waren auch von Jugendlichen „ich habe keine Lust den ganzen Tag an der Schule zu verbringen, auch wenn das Freizeit ist“ oder „warum macht man das in der Schule, wenn ich mich in der Jugendeinrichtung wohlfühle“. Mitarbeiter der Kinder -und Jugendtreffs, zum Beispiel vom Gleiwitzer Bogen in Jenfeld, bezeichneten das geplante System als ineffektiv oder kritisierten, dass Einrichtungen an den Schulen leicht zu einem teuren Parallelangebot führen können. Kritisiert wurde auch , dass es keinen gleitenden Übergang bei dieser Systemumwandlung gibt. Ein 14-jähriger Gymnasiast fasste die Diskussion aus seiner Sicht an Scheele gewandt, so zusammen: „Ich habe Sie verstanden, Sie wollen mir etwas, was ich gut finde, das Abhängen im Jugendtreff nehmen, und mir etwas Schlechteres dafür geben, das will ich nicht!“. Man sieht, Sozial-
senator Scheele hat noch vieles zu erklären. (hbz)
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