Klage blockiert Neubau

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Die Marienthalerinnen Edda Frieß und Margarete Pagenstecher vermissen die Ernst-Albers-Brücke. Fotos: hbz

Die neue Ernst-Albers-Brücke und Lärmschutzwände lassen auf sich warten

Von Hubert Bätz

Wandsbek. Die Wandsbekerin Margarete Pagenstecher (89) hält sich mit Tennis spielen fit, wenn sie kann. Ihr Verein, der Marienthaler Tennis- und Hockeyclub (MTHC), liegt drüben in Horn, auf der anderen Seite der Stadtautobahn. Solange es die Ernst-Albers-Brücke gab, war das kein Problem. Doch die Fußgängerbrücke, die 1935 zusammen mit der Autobahn A24 erbaut wurde, gibt es nicht mehr.
Mitte 2010 ließ sie der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) abreißen, weil sie renovierungsbedürftig und wegen einer Treppe für Behinderte, ältere Fußgänger und Fahrradfahrer praktisch kaum zugänglich war. „Seitdem ist die Situation katastrophal“, sagt auch die Marienthalerin Edda Frieß. „Besonders Kinder sind durch die Umwege über den engen Derbyweg auf der Horner Seite gefährlich. Es gibt keinen Bürgersteig, keinen Fahrradweg, die Straßenränder sind nicht befestigt.“
Dabei will die LSBG durchaus für Ersatz sorgen. Eine neue barrierefreie Überquerung sowie zusätzliche Lärmschutzwände hätten in diesem Frühjahr errichtet werden sollen. Doch dann reichte eine Anwohnerin Klage ein. Die ältere Dame argumentiert, dass man von der höher gelegenen Brücke ihr Haus einsehen könne und damit ihre Privatsphäre gestört werde. Seitdem ruht das Neubauprojekt. Helga Lemcke-Knoll vom LSBG bestätigt auf Nachfrage: „Wir bedauern diese Entwicklung, aber aufgrund eines andauernden Rechtsstreits mit einem betroffenen Anlieger verzögert sich die Durchführung des Baues der Brücke. Die noch ausstehende Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts muss abgewartet werden. Falls die Gerichtsentscheidung die Planung des LSBG bestätigt, wird das Projekt kurzfristig ausgeschrieben und beauftragt.“
Margarete Pagenstecher versteht das Anliegen der Klägerin nicht. Sie habe doch lange Jahre die damalige Brücke und damit die Einsicht in ihr Haus geduldet. Außerdem hätten auch ihre Kinder den Fußgängerübergang zu den Sportvereinen genutzt.
Rainer Schünemann (SPD), Mitglied im Wandsbeker Planungsausschuss, bedauert die Situation und sagt: „Die Rechte von Einzelnen sind in unserem Rechtsstaat ein wertvolles Gut. Glücklicherweise. Doch manchmal wünscht man sich, dass mit diesen Rechten verantwortungsbewusster umgegangen wird. Die Brücke könnte längst fertig sein und die Lücke in der Lärmschutzwand geschlossen. Aber noch ist die Sache bei Gericht und wir können nichts tun.“ Margarete Pagenstecher und Edda Frieß werden vorerst weiter einen Umweg in Kauf nehmen müssen.
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