Kokain im Hafen, Anabolika in Barsbüttel

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Beschlagnahme eines Containers mit neun Millionen Schmuggelzigaretten hinter einer Tarnladung billiger Leinenschuhe. Foto: Zollfahndungsamt (2), Christa Möller
 
Dietmar Schulze ist Pressesprecher der Zollfahndungsamtes Hamburg.

Das Zollfahndungsamt in Rahlstedt ermittelt

Von Christa Möller
Rahlstedt. Eine Segeltour der etwas anderen Art unternahmen einige Herren, die kürzlich der Zollfahndung und der Kriminalpolizei ins Netz gingen: Sie beförderten Kokain aus Südamerika und Haschisch aus Marokko nach Spanien und Portugal und dann in Einzelpartien nach Deutschland. Die Hamburger Zollfahnder haben ihren Sitz seit 1995 in Rahlstedt in der ehemaligen Graf-Goltz-Kaserne an der Sieker Landstraße. Zuvor befand sich das Zollfahndungsamt im Freihafen am Alten Wandrahm, wo noch das Deutsche Zollmuseum beheimatet ist. Da besonders das Dach des ehemaligen Kasernengebäudes stark sanierungsbedürftig ist, ist die Hälfte der etwa 200 Mitarbeiter derzeit vorübergehend am Bargkoppelweg untergebracht. Im Zuge der Bauarbeiten am Kasernengebäude, für die etwa zwei Jahre veranschlagt werden, ist auch eine Aufstockung des Daches oder ein Zusatzgebäude im Gespräch. Die Holzkonstruktion des 1937 errichteten Gebäudes soll vom Holzbock befallen sein.
Hier ermittelte auch Zaluskowski
Das Hamburger Zollfahndungsamt in Rahlstedt, wo die Chefs der einzelnen Sachgebiete sitzen, ist durch die Autobahnnähe gut angebunden. Es gibt weitere neun Dienstsitze, unter anderem in Rostock, Bremen, Lübeck und Kiel. Denn seit 2002 umfasst der Zuständigkeitsbereich der Behörde, die durch die sehr authentische in Hamburg gedrehte Serie Schwarz-Rot-Gold mit dem Zollfahnder Hans Zaluskowski Berühmtheit erlangte, ganz Norddeutschland. „Schwarz-Rot-Gold basiert auf Originalfällen unseres Hauses“, sagt Dietmar Schulze von der Presseabteilung des Zollfahndungsamtes. „Die Drehbücher wurden gemeinsam mit der Amtsleitung beziehungsweise den jeweiligen Ermittlern abgestimmt.“ „Wir ermitteln bei mittlerer und schwerer Wirtschaftskriminalität“, erklärt Schulze mit Blick auf den Schmuggel von Rauschgift, Zigaretten, Alkohol oder Waffen. Auch der Außenwirtschaftsverkehr (Waffenlieferungen, Geldwäsche, Steuerhinterziehungen, Markenfälschungen) gehört zum Einsatzbereich. „Solange wir freien Handel haben, geht uns die Arbeit nicht aus“, stellt Dietmar Schulze fest. Neben den 200 Mitarbeitern in Rahlstedt gehören 18 im Polizeipräsidium in Alsterdorf sowie weitere acht in der Ermittlungsgruppe Hafen zu seinen Kollegen. Meldungen wie „Rauschgiftwache auf Bananaboat – Kokainkrimi im Hafen Hamburg“ oder „Hexenküche für Anabolika entdeckt“ (in Barsbüttel), „151.000 Flakons Parfüm im Hamburger Hafen beschlagnahmt“ oder auch der eingangs genannte Rauschgiftschmuggel auf dem Segelboot klingen nach aufregender Tätigkeit, doch werden die teilweise langwierigen Ermittlungen hauptsächlich am Computer vom Schreibtisch aus geführt. Aber auch die Gesetzesbrecher sind häufig am Bildschirm aktiv. „Die Ermittlungen sind schwieriger geworden, weil viele Täter gar nicht mehr aus dem Haus müssen, das geht alles vom Sofa aus“, sagt Dietmar Schulze. Die Einsatzgebiete können aber durchaus auch mal im Ausland liegen. Schulze hat einmal in Los Angeles einen Gefangenen aus dem Gefängnis abgeholt.
In Deutschland gibt es acht Zollfahndungsämter mit 4.000 Zollfahndern sowie 36.000 Zöllnern in der allgemeinen Zollverwaltung. Sie sind als Bundesbeamte dem Finanzministerium unterstellt.
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