„Komm, Opa, lass uns doch skypen!“

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Ein Profi am Computer: Adolf Riege (86)
 
Ständige Gäste im Senioren Internet-Café: Ingeborg Lucht (90) und Uwe Biessler (78)Fotos: je

Besuch im ältesten deutschen Internet-Café für Senioren in Eilbek

Von Martin Jenssen
Eilbek. „Bammel hatte ich schon, als ich vor drei Jahren zum ersten Mal zum Computer-Treff für Senioren ging“, sagt Uwe Biessler (78). Aber für ihn war ein Computer-Lehrgang damals enorm wichtig. Seine Enkeltochter Julia (21) plante, mit einer Freundin für ein Jahr durch Australien zu reisen. Opa und Enkelin wollten in dieser Zeit in engem Kontakt bleiben. Aber jeden Tag nach Australien zu telefonieren, das wäre sehr teuer geworden. Da machte Julia den Vorschlag: „Opa, wir können doch skypen!“ „Was ist das?“ wollte Uwe Biessler wissen. Die Enkelin klärte ihn auf: Skypen ist telefonieren über Internet, mit Computern, Tablets oder Smartphones. Bezahlen muss man nur die Internet-Gebühr. Und wenn beide ein Gerät besitzen, in dem eine Kamera integriert ist, kann man sich bei den Gesprächen sogar sehen.
Uwe Biessler ließ sich im Senioren Internet-Café im Ruckteschell-Heim das Skypen beibringen. Dadurch konnte er mit Julia sprechen, egal, ob sie in Melbourne, Sydney oder in Tasmanien war. Und er konnte sehen, dass es ihr gut ging.

Nie zu alt

Die Reise ist zwei Jahre her. Julia ist längst wieder in Hamburg und hat, Dank der perfekten Englisch-Kenntnisse , die sie in Australien erwarb, einen guten Job gefunden. Uwe Biessler ist treuer Gast des Senioren Internet-Cafés geblieben. „Es gibt noch viel zu lernen“, sagt er. Zur Zeit ist er dabei, über das Internet eigene Reiserouten festzulegen.
Berater der Senioren im Café ist Internet-Experte Torben Kulla (36). Er leitet die Computer-Kurse seit acht Jahren. Seine Vorgänger waren zwei Studenten, die das Internet-Café für Senioren im Ruckteschell-Heim im Jahre 1999 gründeten. Es war damals das erste Internet-Café Deutschlands, das sich speziell um Senioren kümmerte.
Kostenlos können die Bewohner des Ruckteschell-Heims ihre Kenntnisse am Computer erwerben. Aber natürlich sind auch auswärtige Gäste willkommen. Sie zahlen für die Nutzung der Geräte einen Unkostenbeitrag von vier Euro. Torben Kulla hat das Internet-Café mit Geräten ausgestattet, die für ältere Menschen einfach in der Bedienung sind. Senioren, die sich einen eigenen Computer anschaffen wollen, rät er, ein „Tablet“ zu kaufen. Die Handhabung ist einfacher. Die Besucher des Cafés dürfen ihre Geräte mitbringen. Kulla berät und schult sie an diesen Geräten.
„Man ist nie zu alt! Das ist mein Motto!“ sagt Torben Kulla. „Wenn das Wollen da ist, dann kann man auch noch im Alter von 94 Jahren den Umgang mit dem Computer lernen.“
Einer seiner besten „Schüler“ ist Adolf Riege (86). Der frühere Zöllner lässt sich seit 2003 im Senioren Internet-Café ausbilden und ist inzwischen ein Profi. „Erst hatte ich Hemmungen, dann aber habe ich gemerkt: Der Umgang mit dem Computer ist keine Zauberei“, erklärt er. Adolf Riege bucht unter anderem die Urlaubsreisen für seine Frau und sich über Internet. Seine Bankgeschäfte erledigt er über Online-Banking. Zu den ständigen Gästen des Internet-Cafés gehört auch Ingeborg Lucht (90). Mit E-Mails hält die frühere OP-Schwester Kontakt zu ihrer Tochter, ihren beiden Söhnen sowie zu ihren neun Enkelkindern.

Bisher wurden in dem Internet-Café im Ruckte-schell-Heim - Stiftung Eilbeker Gemeindehaus - rund 100 Senioren erfolgreich am Computer ausgebildet. Das sollte anderen älteren Menschen Mut machen, sich auch einmal in einem Internet-Café umzusehen. Für Gäste ist das Computer-Café an der Friedensstraße 4 in Eilbek dienstags von 16 bis 17.30 Uhr geöffnet. Anmeldungen unter Tel. 20988048
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