Kunst gegen das Vergessen

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Marvin Wollenberg, Hatixhe Muaremi, Henrik Hansen und Henry Kurwahn mit ihrem Kunstwerk Foto: wb

Schüler stellen in der Gedenkstätte Bullenhuser Damm aus

Von Susannah Friesicke
Rahlstedt. Immer wenn die Schule auf die Wirklichkeit trifft wird das Lernen zu einem besonderen Erlebnis. Das durften in der vergangenen Woche auch vier Oberstufenschülerinnen und -schüler der Stadtteilschulen Oldenfelde/ Alt-Rahlstedt erfahren. Die Jugendlichen hatten im Kunstunterricht auf die Initiative ihrer Lehrerin Nina Harling Projekte entworfen, in denen sie Kunst und Geschichte miteinander verflochten: In ihren Werken erinnern sie an das Schicksal von 20 Kindern, die am 20. April 1945 in einem Gebäude am Bullenhuser Damm, damals ein Außenlager des KZ Neuengamme, ermordet wurden, nachdem an ihnen unmenschliche medizinische Experimente durchgeführt worden waren. Die Gedenkstätte Bullenhuser Damm erinnert seit 1980 an diese und weitere Menschen, die dort den Tod fanden. Im Rahmen einer Gedenkfeier zum Jahrestag dieses Ereignisses wurde dort nun die Installation der Schüler Marvin Wollenberg, Hatixhe Muaremi, Henrik Hansen und Henry Kurwahn präsentiert. Ihr Kunstprojekt besteht aus einem weiß gefärbten Haufen alter Kleider und Spielzeug – ein Zeichen für die Unschuld der Opfer. Auf diesen weißen Kleiderhaufen projizieren sie einen Film: Nummern, die langsam verschwinden, dann die Bilder der Kinder mit ihrem Namen. „Wir wollen Menschen, die zu Nummern wurden, wieder einen Namen geben – und so den Kindern ihre Identität wiedergeben“, erklären die Jugendlichen ihre Idee. Die eigene Teilnahme an einem festlichen Gedenkakt hat einen tiefen Eindruck bei allen Beteiligten hinterlassen. Nina Harling ist vom Konzept, das Lernen fächerübergreifend zu gestalten und aus der Schule herauszuholen überzeugt: „Man nimmt das Thema Nationalsozialismus ganz anders wahr, ist emotional berührt und beteiligt. Das Erlebnis dieser Gedenkfeier war natürlich ein ganz seltenes und intensives Erlebnis – für die Schüler und für mich.“ Auch Angehörige schätzen das Kunstwerk und haben dort bereits Blumen abgelegt, ein Zeichen, dass auch sie von der Idee der Schüler berührt sind.(wb)
Die Installation ist bis zum 19. Mai immer sonntags in der Gedenkstätte
Bullenhuser Damm zu sehen. Im Anschluss soll die Installation einer weiteren Schülergruppe aus dem selben Kunst-Kurs ausgestellt werden
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