Land unter im Rappenstieg

Anzeige
Die Osterbek ist offensichtlich verschlammt. Das Durchflussrohr ist kaum noch zu sehen Foto: Peter Hauth
 
Dieses Foto entstand direkt vor dem Garten von Peter Hauth: „Das Wasser der Osterbek steigt immer weiter an.“ Foto: Hauth

Pläne für Überschwemmungsgebiet: Grundstückseigentümer sauer

Von Christian Ehrhorn
Farmsen
„Ich fühle mich einfach so machtlos.“ Peter Hauth (67) weiß nicht mehr weiter. Die Stadt will sein und mehrere andere Grundstücke an der Osterbek zum Überschwemmungsgebiet erklären. Damit würden die Eigentümer im Rappenstieg quasi enteignet werden, sagen sie. „Bereits in der Planungsphase gibt es strenge Regelungen für die Nutzung des Grundstückes.“ Noch befindet sich das Überschwemmungsgebiet in der Planungsphase. „Doch von der Stadt werden schon Fakten geschaffen“, erklärt Peter Hauth weiter. „Naturschützer des NABU kommen mit Kindergruppen und füllen die Osterbek mit Steinen und Kies auf, um diese zu stauen. Das Wasser vor meinem Garten steigt immer weiter. Der ganze Boden ist durchweicht, die Bäume faulen dort weg. Ein Stamm ist mir bereits in den Garten gekracht. Ich habe Angst, dass irgendwann die richtig großen Bäume umfallen. Das sind Vorbereitungen auf das Überschwemmungsgebiet.“

Bezirk: Kein Aufstauen geplan

t

Beim Bezirksamt heißt es dazu: „Es gibt kein gemeinsames Vorhaben von Bezirksamt und NABU, bei dem die Osterbek aufgestaut wird beziehungsweise werden soll.“ Der Anschein erhöhter Wasserstände kann vom Bezirksamt nicht bestätigt werden. Und: Das Erlensterben an Hamburger Gewässern habe seine Ursache im Phytophtera-Befall (Pilzähnliche Mikroorganismen).“
Auch Klaus Theophilus (74) ist von dem Überschwemmungsgebiet betroffen. „Was mich am meisten stört: Ich darf mein Grundstück nicht mehr so nutzen wie ich es möchte. Für die kleinste Veränderung muss ich einen Antrag stellen, der eine Menge Geld kostet und am Ende wahrscheinlich sowieso abgelehnt wird.“
Mittels Zivilklage könnten die Anwohner gegen das Geplante Überschwemmungsgebiet angehen. Peter Hauth. „Wir müssten mehrere Gutachten erstellen lassen, die sehr viel Geld kosten. “
In der Antwort auf eine Kleine Anfrage der CDU bezog der Senat Stellung zur Ausweisung der neuen Überschwemmungsgebiete: „Im Hochwasserfall, wenn Gewässer mehr Wasser als üblich abführen müssen, treten die Gewässer über die Ufer. Solange sich in den Uferbereichen eine natürliche Vegetation, zum Beispiel Auen oder Grünland, befindet, ist dies unproblematisch. Werden jedoch diese Gebiete, die regelmäßig bei Hochwasser von Wasser überströmt sind, vom Menschen zu verschiedenen Zwecken genutzt, kann es zu erheblichen Schäden kommen. Um Schäden infolge von Hochwasserereignissen zu reduzieren und die Bevölkerung über die Gefahren zu informieren, hat der Bundesgesetzgeber im Wasserhaushaltsgesetz festgelegt, dass Überschwemmungsgebiete zu ermitteln und per Verordnung festzusetzen sind.“ Da durch diesen Vorgang die Grundstücke erheblich an Wert verlieren, kam die Frage einer Entschädigung an die Eigentümer auf.
„Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung und allgemeiner Ansicht in Lite-
ratur stellen die infolge der Ausweisung von Überschwemmungsgebieten beziehungsweise deren vorläufiger Sicherung eintretenden Bauplanungs- und
Bauverbote nach § 78 Absatz 1 WHG keine entschädigungspflichtige Enteignung dar“, so der Senat.
Darüber ist Eigentümer Peter Hauth empört: „Wir haben das Grundstück 2010 gekauft. Die Stadt drängte darauf, im Grundbuch des Grundstücks eingetragen zu bleiben. Ich habe mich immer gefragt, warum. Jetzt weiß ich es. Ich bin mir sicher, die wussten damals schon von der Planung.“ „Diese Unterstellungen sind falsch,“ heißt es dazu jedoch beim Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen. „Auch der LIG hat erst im letzten Jahr von den neu auszuweisenden Überschwemmungsgebieten an der Osterbek erfahren. Zudem gab es 2010 keine verstärkten Verkaufsaktivitäten zu den Erbbaurechtsgrundstücken. Beide Behauptungen entbehren von daher jeder Grundlage.“
So bleiben die Fronten im Streit um die Überschwemmungsgebiete weiter verhärtet.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige